Ja, auch ich leider unter einer Bekinderung. Gelegentlich zumindest. Die meiste Zeit aber bereue aber ganz und gar ich nicht, seit September 2007 zu den vielen Bekinderten des Landes zu gehören. Und ich stehe dazu. Ich stand schon dazu, als ich noch nicht einmal ahnte, dass sich jemand tatsächlich einen so dämlichen Begriff wie Bekinderung ausdenken würde. Gefunden habe ich diesen Neologismus auf Wortwarte.de, einem Webfundstück, dass mit seinen täglich frisch gelieferten Neuwort-Kandidaten gleich unter meinen Lesezeichen landete. Was eine Wortwarte eigentlich ist und warum es sie gibt, erklärt das Team um Dr. Lothar Lemnitzer selbst am besten und soll deshalb von mir nur zitiert werden:
Es gibt Wetterwarten und Sternwarten. Nun gibt es auch eine Wortwarte. Zu den Aufgaben der Wetterwarten gehört es, die Entwicklung des Wetters zu beobachten und darüber zu berichten. Zu den Aufgaben der Wortwarte gehört es, die Entwicklung des deutschen Wortschatzes zu beobachten und darüber zu berichten. Es wurde gelegentlich darüber spekuliert, ob wir, die Autoren dieses Dienstes, Wortwarte seien. Nein, das sind wir nicht. Bei diesem Begriff stellen sich unschöne Assoziationen wie Blockwart ein, und auch gute Torwarte sind wir nie gewesen. Wir sind also nicht Drangsalierer oder gar Hüter des deutschen Wortschatzes, sondern Beobachter. Die Interpretation dieser Beobachtungen überlassen wir gern auch anderen.
Aber zurück zur Bekinderung. Nicht von ganz ungefähr ist die Ähnlichkeit zu Behinderung, denn in Deutschland Kinder zu haben wird immer öfter als Problemfall, gelegentlich sogar wie eine unheilbare und vor allem teure Krankheit angesehen. “Menschen lernen, mit ihrer Bekinderung zu leben.” hieß es auf Twitter. Oder noch kürzer als Blogeintrag unter dem Titel Bekinderung: “Nachwuchsstörung”. Wen wundert es da noch, dass so viele Paare im besten zeugungsfähigen Alter es lieber ganz sein lassen? Mein Mann und ich sind verrückt genug, noch eines drauf zu setzen. Ein zweites Kind. Und mit Recht wird man uns dann fragen dürfen: “Zwei Kinder? Ja seid ihr denn bekindert, euch das in diesen Zeiten zuzumuten?”
Meine Oma nennt es ja gerne “dein Zustand” und dann auch mit genügend Ausrufezeichen in ihrer Stimme. Manche nennen es “andere Umstände”. Bisher habe ich mich aber immer gegen solche Umschreibungen gewehrt und mit einem gelassenen Lächeln entgegnet, man solle mal hier keine Panik verbreiten, ich sei ja einfach nur schwanger. Jetzt lerne ich aber einen unangenehmen Umstand dieses Umstandes kennen. Die Rede ist von Gedächtnisverlust. Ganz ehrlich, ich mache mir ernsthaft Sorgen, ob es nicht sinnvoller wäre, mein hormongebeuteltes Gehirn in liebevolle Hände abzugeben. Weiterlesen →

Die wohl berühmtesten Google Street View Gegner: Ludwig Hillesheim, Konrad Richter und Anne und Erich Jeschkowski. Foto: RP, Werner Gabriel
…über das – und vor allem die große Debatte drumherum – ich gar nicht bloggen wollte. Nun liegt mir aber doch was auf der Zunge, wandert in die Fingerspitzen und wird zu ein paar verbloggten Gedankenfetzen. Grund sind ein paar ältere Herrschaften, die sich beispielhaft für viele andere über die Methoden von Google Street View aufregen und anscheinend vergessen, dass der Schutz der persönlichen Informationen nicht nur etwas mit umherfahrenden Autos mit Kamera auf dem Dach zu tun hat. Folgendes habe ich in einem FAZ-Artikel aufgeschnappt:
Wie dringend das ist, das beweisen die Google-Gegner in Düsseldorf: Die ärgerten sich über die Fotos von ihren Häusern so sehr, dass sie ihren Protest in die Zeitung trugen. Dazu ließen sie sich vor ihren Häusern fotografieren. Jetzt stehen sie im Internet. Unverpixelt, mit Hausfassade und vollem Namen – viel besser erkennbar als auf Street View.
Schmunzelnd klicke ich mich durchs Netz. Das Foto will ich jetzt natürlich sehen. Der erste Treffer bei der bösen Suchmaschine liefert schon den gesuchten Schnappschuss. Die lustigen Rentner können der Rheinischen Post schon mal Dankeskarten schreiben, denn sie sind innerhalb kürzester Zeit wahre Internet-Berühmtheiten geworden. Oder aber jemand, der etwas Zeit hat, könnte für die Herrschaften ein schönes Fotobuch gestalten, gefüttert mit den Fotos und Informationen, die man schon ohne Street View über sie im Internet findet. Die Begeisterung der vier wäre kaum auszumalen! Anatol Stefanowitsch hat einen sehr schönen Beitrag über die vier Rentner und das ganze Geschrei drumherum geschrieben. Und da es Menschen auf der Welt gibt, die ganz andere Sorgen haben als Internetfotos ihrer Hausfassaden, gehen Sohnemann und ich morgen für Kinder in Pakistan spenden.
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Trends werden geboren, dann von der breiten Masse aufgegriffen und landen wie ein ausgelutschter Kaugummi irgendwo in der Ecke. In vielen Fällen zumindest. Als ich Ende 2009 über die Web 2.0 Suicide Machine gebloggt habe, war das auch gerade so ein “großes Ding”. Da war man wer, wenn man mutig genug war, aus dem ganzen Social Media und Networking Kram auszusteigen. Seine Accounts einfach nur zu löschen, wäre zu trivial gewesen, ein richtiger virtueller Selbstmord mit erhobenem Mittelfinger an all die Web 2.0-Junkies musste es schon sein.
Im Unispiegel berichtete schon 2008 unter dem Titel “Mein digitaler Selbstmord” Frauke Lüpke-Narberhaus von ihrem Ausstieg aus dem digitalen Leben. Heute jedoch ist sie wieder gesund und munter auf Facebook zu finden. Wie schön ist es doch, dass man jeden Trend mit spektakulärem Vokabular (Selbstmord, wuhaaa!) mitmachen kann, wenn die Rückkehr so einfach ist.
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Mein Gefühl, hier in Friedrichshain nur noch schwangere Frauen zu sehen, war ja nun durchaus nicht nur hormonell bedingt, wie im Artikel “Berliner Babyboom: Friedrichshain macht das Rennen!” zu lesen ist. Aber jeder weiß, dass auf die dicken Bäuche über kurz oder lang auch die Kinderwagen folgen. Gut, hier ist es vermehrt auch die eine oder andere vor den Bauch geschnallte Babytrage, aber die Gefährte mit strampelndem Inhalt mehren sich.
Dazu ein kleines Fundstück aus der herrlichen Cartoon-Serie: “Die Mütter vom Kollwitzplatz”, das mittlerweile auch prima zu Traveplatz, Schleidenplatz & Co. passt.

Die Mütter vom Kollwitzplatz "Stasi" (© Olaf Schwarzbach www.ol-cartoon.de)
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