Mutter sein
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Liebe ist nicht verhandelbar, sonst ist es nicht Liebe

Manchmal darf ich als Bloggerin bei spannenden Events dabei sein. Ich treffe tolle Menschen, kann mich über wichtige Themen austauschen und genieße einen Tag, der perfekt organisiert ist und mir schon deshalb eine Art Weiterbildung und Auszeit gleichermaßen beschwert, weil ich mich um nichts kümmern muss. Am Ende fahre ich mit vielen Gedanken im Kopf und einem guten Gefühl nach Hause und trotzdem fällt es mir schwer, darüber zu schreiben. Doch dann – lange nach dem Event – gibt es eine kleine Begebenheit, bei der es einfach nur „Peng!“ macht und auf den Punkt bringt, was ich sagen wollte.

Wir sitzen in Hamburg im wunderbaren 25hours Hotel Hafencity und diskutieren über starke Vorbilder. Wir, das ist eine Runde aus Mama-Bloggerinnen und Beauty-Bloggerinnen, die auf Einladung von Rossmann und Dove für einen Tag zusammen gekommen sind. Und bei den starken Vorbildern geht es nicht um irgendwelche Heldinnen aus Film, Funk und Fernsehen, sondern um uns als Mütter. Inwiefern ist uns bewusst, dass wir ein Vorbild für unsere Kinder und besonders unsere Töchter sind? Welche Botschaften und Signale geben wir an unsere Töchter weiter, wenn es um Themen wie Schönheit, Körperbewusstsein und Selbstwertgefühl geht?

Anna von Berlinmittemom beschäftigt sich schon länger mit dem Thema „Starke Mütter, starke Töchter“. Ein ganz wesentlicher Punkt ist die bedingungslose Liebe. Und es geht nicht nur um die Liebe einer Mutter zu ihren Kindern, sondern auch die Liebe zu sich selbst. Liebe ich mich genauso, wie mich meine Kinder lieben? Oder stehe ich manchmal zweifelnd vor meinem Spiegelbild, während meine Töchter mich auf einer Skala der weltschönsten Geschöpfe noch vor der Eiskönigin Elsa einordnen würden?

Lange nach dem Event, hier mitten in Berlin: Ich sitze mit meinem Kind 1.0 und der Tochter meiner Herzensfreundin in der Lobby eines christlichen Jugendgästehauses. Gleich werde ich sie ihrer Konfirmandengruppe übergeben, die sich in den nächsten Tagen Berlin ansehen wird. Mit Kakao und Wassereis vertreiben wir uns die Zeit und ich lese aus einer Zeitschrift vor, die dort ausliegt. Die Autorin des Artikels fragt sich, wie sie Gottes Gebot, seinen nächsten zu lieben, umsetzen soll, wenn es ihr schon schwer fällt, das zerknitterte Etwas zu lieben, das sie jeden Morgen im Spiegel sieht. Wie geht diese Sache mit „liebe dich selbst“ eigentlich?

Meine Zuhörer mit den Kakaospuren an den Mundwinkeln kichern. Sich selbst lieben! Je länger ich lese, desto lustiger finden sie die Vorstellung. Meine Lesung wird mit Knutschgeräuschen untermalt und sie sitzen auf ihren Stühlen, sich selbst umarmend. „Mama, liebst du dich denn auch?“, will Kind 1.0 von mir wissen. „Sogar, wenn du dich im Spiegel gerade echt hässlich findest?“

„Klar“, entgegne ich. „Liebe ist doch kein Schönheitswettbewerb!“ Und ich lese den Text zu Ende, der davon handelt, dass Liebe bedingungslos ist. Den Namen der Autorin und den Titel der Zeitschrift notiere ich mir leider nicht, aber das Zitat auf der nächsten Seite halte ich noch schnell mit der Kamera vom Smartphone fest. In diesem Moment kommt nämlich schon die Reisegruppe durch die Tür.

Die Sache mit der Liebe ist echt einfach, wenn man es erst einmal verstanden hat. Liebe erfordert keine Mindestpunktzahl. Liebe ist nicht an zu erfüllende Bedingungen wie Kleidergrößen, Schulnoten oder Geschenke geknüpft.

„Wenn man Liebe nicht bedingungslos geben und nehmen kann, ist es keine Liebe, sondern ein Handel, in dem ständig Plus und Minus gegeneinander abgewogen werden.“

-Emma Goldman

Und wäre es nicht wunderbar, wenn es mir als Mutter gelänge, meinen Kindern in Sachen Selbstliebe ein Vorbild zu sein? Vielleicht sehen sie mich in Zukunft mal vor dem Spiegel stehen und ich schimpfe gerade über meine Haare, die mich aussehen lassen wie ein geplatztes Sofakissen. Oder ich verzweifle gerade an der neuen Hose, die am 1,75 m großen Model aus dem Onlineshop irgendwie besser aussah, als an mir. Oder ich fluche, dass genau an dem Tag, an dem ich ein Seminar gebe, mitten auf der Stirn ein Pickel in voller Blüte steht.

Dann hoffe ich, dass meine Kinder auch mitbekommen werden, wie ich zu meinem Spiegelbild sage: „Egal, das passt schon. Ich liebe dich trotzdem!“

3 Kommentare

    • Hallo Mareike,

      ich komme gerade von der #denkst Elternbloggerkonferenz und es waren so viele tolle, starke Frauen dort, die genau diese Präsenz hatten, von der du schreibst.

      Danke für deinen Link!

      LG Sophie

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