Friedrichshain, Kind & Kegel, Zwiegespräche
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Nach „letzter“ kommt „allerletzter“!

Kinder erklären uns die Welt. Mein großes Kind versteht schon ziemlich viel von der Welt und erklärt sie mir so, dass auch ich sie verstehe. Seine wenigen unbedeutenden Wissenslücken werden durch geschickt platzierte Warum-Fragen schnell aufgefüllt. Mein kleines Kind versteht bestimmt auch schon viel von der Welt, hält sich aber mit dem Erklären und Fragen noch zurück und beschränkt sich lieber auf Babygeräusche, die in ihrer Umgebung schnell dazu führen, dass auch Erwachsene schnell ihre Tonlage um mehrere Oktaven nach oben schnellen lassen und quietschige Babygeräusche von sich geben.

Da Sohnemann mal wieder Mittagskind sein wollte, das Wetter so schön war und er außerdem unbedingt wissen wollte, was ein Mamasport sei, nahm ihn ich beim letzten LaufmamaLauf-Training im Friedrichshain kurzerhand mit. Im Kindergarten wartete er schon mit stolz geschwellter Brust auf mich und verkündete noch einmal allen Kindern, dass er leider heute keinen Mittagschlaf machen könne, weil er nämlich zum Sport muss. Auf dem Weg nach Hause löcherte er mich noch mit allerhand Fragen, um die Wissenslücken zu stopfen. Zu Hause angekommen, stopfte ich das Plappermaul in seine Jogginghose und den Lieblingspulli und zog mir auch die Sportkluft über. Außer meinem Nachwuchs packte ich noch die Picknickdecke, Wasser, Proviant und einen Stapel Pixibücher in den Fahrradanhänger und los ging es zum Volkspark Friedrichshain.

Kaum waren wir am Märchenbrunnen angekommen, wollte Sohnemann aussteigen. Sein Bewegungsdrang war nicht zu übersehen. Während ich noch damit beschäftigt war, den Fahrradanhänger abzukoppeln und in einen Jogger umzubauen, umkreiste er mich ganz hibbelig und fragte, wo denn das Märchenschloss sei, von dem ich ihm erzählt hatte. Er war mir nicht böse, dass unser Treffpunkt kein Märchenschloss war, sondern nur ein Märchenbrunnen, denn die vielen Mütter, die sich dort schon mit ihren Kinderwagen versammelt hatten, waren aufregend genug. Ich bot ihm an, dass er natürlich jederzeit in den Fahrradanhänger einsteigen könne, wenn es ihm zu schnell ginge, aber er winkte ab und erklärte: „Mama, wenn ich fahre, dann ist es ja kein Sport. Dann ist das geschummelt.“ Schummeln kam natürlich nicht in Frage. Ich staunte auch nicht schlecht, wie er die nächste Stunde wirklich fast alles mitmachte. Nur die Übungen, die ihm seiner Meinung nach zu albern waren, ließ er aus und hockte sich kichernd ins Gras. Auf meine Frage, ob das denn nicht auch Schummeln sei, wenn er nicht mitmacht hatte er natürlich auch die passende Antwort parat. „Mama, ich muss nicht mitmachen, wenn ich nicht will, weil ich ja das Kind bin. Du musst alles mitmachen, auch die komischen Übungen. Du hast ja dafür Geld bezahlt. Außerdem musst du noch besser werden, damit du das mal so schön kannst wie die Lehrerin da vorne.“ Als ich fragte, ob denn das, was ich mache, nicht so schön aussieht, erntete ich nur ein Kichern und ein Kopfschütteln. Mit der Lehrerin war natürlich die Trainerin Katja gemeint, die übrigens auch eine der Gründerinnen von LaufMamaLauf ist. Wer Müttersport mit Kinderwagen für Weichspülsport hält, dem kann ich ein Probetraining bei ihr nur wärmstens empfehlen.

Katjas Art, uns bei den Kräftigungsübungen dazu zu bringen, unseren inneren Schweinehund zu überlisten und wirklich alle Wiederholungen mitzumachen, fand Sohnemann einleuchtend. Wenn es hieß, dass wir nach den angekündigten „letzten acht“ Wiederholungen jetzt noch die „allerletzten acht“ Wiederholungen schaffen müssten, nickte er und erklärte: „Nach letzter kommt ja allerletzter!“ Wer könnte das auch besser verstehen als er, der immer noch das allerletzte Buch durchblättern muss, wenn er die Schuhe anziehen soll oder der noch das allerletzte Mal rutschen muss, wenn es Zeit wird, vom Spielplatz nach Hause zu gehen. An diesem Freitagnachmittag hatten wir dann noch ein letztes und ein allerletztes Eis gegessen, ganz viele letzte Male Blätterschiffchen den Wasserlauf hinunter gejagt und sind viele Rutschen zum wirklich allerletzten Mal hinuntergerutscht, bis wir endlich wieder am Fahrrad waren und uns auf dem Heimweg machten.

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