Reisen mit Kindern
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Lüttich mit Kindern: Kleine Kostbarkeiten entdecken

Lüttich mit Kindern entdecken kostet manchmal ein bisschen Mühe

Wie es ist, Lüttich mit Kindern zu entdecken, passt eigentlich nicht in einen Blogbeitrag, denn Lüttich macht es dem Besucher nicht ganz einfach, seine wahre Schönheit zu entdecken. Ich will trotzdem einen Versuch wagen.

Endlich war Frau Lüttich also in Lüttich! Immerhin trage ich seit meiner Hochzeit im August 2010 diesen Namen, den man in den meisten Gegenden Deutschlands nicht zu buchstabieren braucht, sondern bei Verständnisschwierigkeiten nur hinzufügt: „Sie wissen schon, wie die Stadt in Belgien.“ Aber was wissen die Leute in Deutschland schon von Lüttich in Belgien? Dass es dort einen ziemlich großen Bahnhof gibt, bei dem sich so manch einer fragt, ob er nicht doch etwas zu protzig und zu futuristisch ist. Und dass Lüttich eigentlich kein typischer Touristenort ist, weil das Stadtbild an der einstigen Schwerindustrie zum Teil jetzt noch schwer zu tragen hat.

Auf den ersten Blick ist Lüttich keine Schönheit. Auf den zweiten entdeckt man kleine Kostbarkeiten, wie das kleine alte Haus.

Wer wie wir über eine der Schnellstraßen nach Lüttich kommt, bekommt die geballte Kulisse an alter Schwerindustrie und Bausünden des Wohnungsbaus geboten. Dicht an dicht stehen die gesichtslosen Häuser am Ufer der Maas und lassen gerade noch Platz für die Straßen. Doch meine Kinder fanden es einfach nur großartig in eine Stadt zu fahren, die genauso heißt wie sie. Von dieser kindlichen Neugier und Unvoreingenommenheit angesteckt beschloss ich, alles, was ich an Meinungen zu Lüttich gelesen hatte, über Board zu werfen und sie zu entdecken.

Immer wieder schöne Details, wie zum Beispiel verschiedene Balkone am Haus.

Entdecken mussten wir auch erst einmal unser Hotel, das Crowne Plaza Liège. Für unseren ersten Besuch in Lüttich sollte es das erste Haus am Platze sein. Hinten im Auto neben einem quengeligen Baby sitzend, hatte ich das Gefühl wir wären schon drei Mal im Kreis gefahren. Müsste das Hotel nicht schon längst zu sehen sein? Immerhin war es so etwas wie eine Burg, das hatte ich auf der Homepage gesehen.

Doch das schöne Gebäude in der Rue du Mont Saint Martin ist nicht höher als alle anderen. Die Überraschung offenbart sich erst, wenn man die wunderschöne Lobby durchschritten hat, in der übrigens das längste Sofa von Lüttich steht, welches sofort von den Kindern erobert wurde. Das Crowne Plaza Liège liegt – wie viele Gebäudekomplexe in Lüttich – an einem steilen Hang und besteht aus zwei Gebäuden aus dem 16. Jahrhundert mit mehreren Etagen. Spätestens im Fahrstuhl wird einem klar, dass das vermeintliche Erdgeschoss die oberste Etage ist.

Das längste Sofa von Lüttich in der Lobby des Crowne Plaza Liège

Hier liegt auch die Ô Cocottes Brasserie mit ihrer großen Terrasse, von der man einen tollen Blick über die Dächer von Lüttich hat. Von dieser Terrasse aus gesehen zeigt sich das Hotel dann auch von seiner „Burg-Seite“, mit Türmen, begrünten Terrassen und Innenhöfen. Das Crowne Plaza Liège ist kein erklärtes Familienhotel, aber mit der riesigen Terrasse, der gemütlichen Bibliothek, einem kleinen Schokobrunnen zum Frühstück und tiefenentspannter Freundlichkeit des gesamten Hotelpersonals fühlten wir uns als Familie sehr wohl.

Die Terrasse, die sich an die Brasserie anschließt, wird abends in farbiges Licht getaucht. Ein wunderbarer Kontrast zu den alten Mauern ringsherum.

Lüttich drängt sich dem Besucher nicht auf. Es will neugierig entdeckt werden.

Vielleicht musste es so sein, dass der Akku meines Smartphones den Geist aufgab, als wir das Hotel für eine Stadterkundung verließen. Denn so ging ich noch einmal zurück zur Rezeption und bekam einen Faltplan von Lüttich, in den die Mitarbeiterin mit dem Kugelschreiber noch schnell ein paar Kringel um sehenswerte Orte setzte – den ersten um den Place Saint-Lambert als zentralen Ausgangspunkt. Fast alle Kringel finden sich als Sehenswürdigkeiten in diesem kostenlosen Infoheft über Lüttich wieder, was sehr für das Crowne Plaza Liége und seine Mitarbeiterin spricht.

Mit Kindern in Lüttich heißt auch, einfach mal abzubiegen, weil der Weg so toll ist

Wir waren in Lüttich viel zu Fuß unterwegs, was vor allem daran lag, dass Kind 3.0 am besten schlief, so lange sich der Kinderwagen bewegte. Aber es gibt noch mehr Möglichkeiten Lüttich mit Kindern zu entdecken:

  • Mit der Bimmelbahn: Eine Rundfahrt durch das Stadtzentrum ist mit Kindern ein Muss. Die Erklärungen gibt’s auch auf Deutsch. Eine Stunde ist nicht zu lang und man bekommt einen ersten Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Lüttich.
  • Mit dem Schiff auf der Maas: Kann man machen, aber lieber ohne Kinder. Einmal die Maas rauf und runter und jede Menge Häuser sind für die kleinen Reisenden einfach nicht genug. Gleich an der Anlegestelle liegt aber das Aquarium und Naturkundemuseum, das mit Kindern einen Besuch Wert ist.
  • Mit dem Fahrrad: Wir haben uns kein Fahrrad ausgeliehen, aber es gibt mehrere Fahrradverleihe in der Stadt, die auch Kinderfahrräder, Kindersitze und Anhänger anbieten.
  • Zu Fuß: Spaziergänge sind meiner Meinung nach tatsächlich die beste Art Lüttich zu entdecken. Es gibt geführte Touren, aber mit Kindern empfehle ich, sich die Karten „Das historische Herz“ und „Die Hügel der Zitadelle“ zu holen, die kostenlos im Office du Tourisme de Liège erhältlich sind und Lüttich auf eigene Faust zu entdecken.

Zugegeben, es ist vielleicht nicht der beste Tipp, wenn man zum ersten Mal in Lüttich mit Kindern unterwegs ist, aber Lüttichs Fußgängerzone und Einkaufsviertel „Le Carré“ ist schön für einen kleinen Bummel.

Einkaufsviertel und Vergnügungsmeile Le Carré in Lüttich

Es gibt neben den üblichen Handelsmarken auch viele kleine Läden und nette Cafés. Und Lütticher Waffeln an fast jeder Ecke natürlich! Ob es seinem Ruf der Amüsier- und Partymeile von Lüttich gerecht wird, kann ich nicht sagen. Mein Mann und ich genossen abends unseren wohl verdienten Schlaf zeitgleich mit den Kindern.

Was man lernt, wenn man Lüttich mit Kindern entdeckt? Dass es Klischees nur auf Postkarten gibt.

Für alle, die schöne Geschäfte in Lüttich suchen, kann ich den kleinen quadratischen Einkaufsführer „Shop’in Design“ empfehlen, den es kostenlos bei der Touristeninformation gibt. Dort findet man nicht nur tolle Shop-Adressen, sondern auch Cafés und Restaurants für jeden Geldbeutel. Ohne dieses kleine Büchlein wäre ich vielleicht nicht in die Rue Souverain-Pont abgebogen. Dort gibt es das Ladengeschäft von WATTITUDE, das Design, Dekoration, Mode, Papeterie, Bücher und Köstliches aus der Wallonie anbietet. Ach ja, die KIDS Abteilung nicht zu vergessen!

Design und Genussvolles aus Lüttich und Umgebung bei WATTITUDE

Die für mich schönste Straße der Lütticher Altstadt ist eindeutig die Hors-Château. Viele alte Patrizierhäuser brachten bei unserem Spaziergang durch diese Straße sogar meine Kinder dazu, sich für schöne Fassaden und Türen zu interessieren. Vielleicht lag ihr gesteigertes Interesse auch daran, dass man inmitten der Häuserfronten immer wieder kleine Durchgänge entdeckt.

Das sind die Impasses, romantische, in Sackgassen endende Gässchen, in denen damals das Personal der herrschaftlichen Stadthäuser des Hors-Château-Viertels wohnte. Wer hätte gedacht, dass Kind 1.0 und 2.0 dort zum ersten Mal Feigen von einem Feigenbaum pflücken würden?

Die erste selbst gepflückte Feige Großes Staunen über Feigenblätter

Wir verpassten tatsächlich die berühmte Treppe von Lüttich, die Montagne de Bueren, so sehr waren wir mit dem Entdecken kleiner Gassen und schöner Häuser beschäftigt. Stattdessen landeten wir auf dem neu gestalteten Place Saint-Léonard, an dessen Ende ein kleiner Spielplatz liegt. Von dort aus bietet sich ein schöner Weg zur Zitadelle an, die wir bei unserem Besuch leider ausgelassen haben. Wir wollten aber auf jeden Fall die Montagne de Bueren erklimmen, also ging’s noch einmal zurück.

Am Ende eines langen Tages ist der Aufstieg mit Kindern nicht leicht. Es sind immerhin 373 Stufen! Mit dem Kinderwagen war mein Mann schon zum Hotel zurück gekehrt und wir erklommen die vielen Stufen im Zickzack, denn die Terrassengärten sind einfach zu interessant, um nicht hineinzuschauen.

Auf der Montagne de Bueren gibt es verwunschene Gärten Zaungäste machen den Aufstieg kurzweilig

Oben angekommen, ließen sich meine kleinen Stadtentdecker stolz auf den Stufen nieder. „Mama, weißt du“, sagte Kind 1.0 sinnierend. „Die haben das schon gut gemacht, die Lütticher. Nicht alle Leute können sich so was Schönes angucken. Nur die, die sich Mühe geben und bis ganz nach oben gehen.“

Lüttich mit Kindern entdecken kostet manchmal ein bisschen Mühe

So entstand dieses Foto, das auch auswählte, als ich nach einem Beitrag für die Stories von Kodak Moments gefragt wurde. Ich bin mir sicher, es gibt noch viele weitere Momente in Lüttich zu entdecken. Sollte noch einmal Lüttich mit Kindern auf dem Programm stehen, dann würden wir sicher zur Zitadelle wandern, durch den Stadtteil Outremeuse spazieren und noch mehr von den kulinarischen Seiten Lüttichs entdecken.

Ich schrieb es ja, um über Lüttich zu schreiben, reicht ein Blogbeitrag nicht. Um Lüttich mit der Familie zu entdecken, reicht ein kurzer Aufenthalt erst recht nicht. Und dann gibt es ja auch noch das schöne Umland von Lüttich

Dieser Beitrag ist Teil meines Familienreiseblogs. Für meine Reisen arbeite ich auch mit touristischen Partnern zusammen. Hier erfährst du mehr über mich als Reisebloggerin und meine Reiseartikel.  

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