Mutter sein
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Plan A, Plan B und notfalls alles über Bord werfen

Foto: Denise Bodden Photography für Mummy Mag Paper

Ob ich immer so entspannt bin, werde ich auf dem Spielplatz gefragt. „Nein, das wäre ja nicht zum Aushalten!“, antworte ich und wir lachen. Dann ist das Gespräch auch schon beendet, weil ich zur jüngsten Tochter sprinte, die drei Stufen einer Treppe hinauf gekrabbelt ist, nun nicht mehr weiß, wie sie wieder herunter kommen soll und gleich zu einer gefährlichen Rolle vorwärts ansetzt.

Trotzdem zählen Spielplatzbesuche zu den entspannteren Aktivitäten im Familienalltag. Ist man mit drei Kindern grundsätzlich viel entspannter? Und wenn ja, wie lautet das Rezept? Wie wuppt man als Mutter den Alltag mit drei Kindern?

Einfach machen. An sich glauben. Plan A schmieden, Plan B in der Tasche haben und notfalls bereit sein, alle Pläne über Bord zu werfen. 

Das habe ich aus dem Bauch heraus unter das Foto bei Instagram geschrieben, als die zweite Ausgabe vom MUMMY MAG Paper erschien. Dass ich an diesem Tag mit meinen Mädchen eine abenteuerlich rasante Fahrt mit einem türkischen Taxi zum Flughafen Dalaman zurücklegen würde, um auf den letzten Drücker den Check-In für den Flug nach Hause zu schaffen, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir klar, dass das im Grunde genau meine Art ist, mit der ich ziemlich gut klar komme. Ich mache mir vorher Gedanken, schmiede einen Plan, bin aber bereit, alles komplett über den Haufen zu werfen, wenn die Umstände es erfordern. Ob das auf lange Sicht gut ist? Fragt mich und meine Kinder noch einmal, wenn sie erwachsen sind und ich alt und runzelig bin. Im Moment fahre ich gut damit.

Tatsächlich trifft man mich meistens gut gelaunt an und das zumeist schon zu einer frühen oder auch noch sehr späten Tageszeit. Habe ich das Glück gepachtet? Nun, ich habe zumindest beschlossen, glücklich zu sein und das schon aus ganz pragmatischen Gründen.

Ich habe beschlossen glücklich zu sein, weil es gut für die Gesundheit ist.

 

Gut, dieser Satz ist nicht von mir, sondern Voltaire soll schon gesagt haben: Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.“ Ich finde, das ist eine kolossal gute Einstellung. Und so praktisch. Mein Tag – so musste ich irgendwann erkennen – hat nun einmal nur 24 Stunden. Ich kann mich viele Stunden damit beschäftigen, was alles gerade nicht so gut läuft, was ich gerade verpasse (Stichwort: Fomo!), was ich alles zur Zeit nicht tun kann… Aber wieso sollte ich mehr Zeit aufwenden für negative Dinge, wenn ich sie genauso gut für die wirklich guten Sachen nutzen kann?

Foto: Denise Bodden Photography für Mummy Mag Paper

 

Aber zurück zur Ausgangsfrage und meiner Antwort darauf. Ich kann ziemlich unentspannt sein – grantig, zynisch, bissig, ganz übellaunig sogar. Manchmal muss es einfach raus!  Heute gab es so einen Moment, in dem es einfach aus mit herausgesprudelt ist und ich wildfremde Leute vollgepflaumt habe. Aber diese Leute brauchten das. Es waren nämlich Aufzugshonks.

Aufzugshonks sind Leute, die zum Beispiel wie heute am Alexanderplatz in einen abwärts fahrenden Fahrstuhl einsteigen, obwohl sie eigentlich nach oben wollen. Mal abgesehen davon wären – zumindest nach meiner flüchtigen optischen Einschätzung – die meisten davon in der Lage gewesen, die Treppe oder Rolltreppe zu benutzen. In den vierten Fahrstuhl, der voll besetzt nach unten kam, obwohl keiner aussteigen wollte, habe ich dann hinein gemotzt: „Warum verstopft ihr mit eurer Hauptsache-Drin-Mentalität unnötig diesen Fahrstuhl?“

Anschließend verstieß ich bewusst gegen ein Verbot, nämlich gegen das Kinderwagenverbot auf Rolltreppen und kam doch noch zu meiner U-Bahn-Linie, mit der ich weiterfahren musste. Auf dem Bahnsteig angekommen, schlossen sich natürlich gerade die Türen und die U-Bahn fuhr ab.

„Oh, da haben sie Ihre Bahn ja ganz knapp verpasst!“, raunte ein älterer Herr neben mir.
„Ach nein“, antwortete ich. „Das war nicht meine Bahn. Sonst wäre ich ja drin.“

Ihr seht, ich bin auch unterwegs total entspannt.

 

Die Fotos hat Denise Bodden für das MUMMY MAG Paper gemacht. Mit einer analogen Kamera und mit jeder Menge Bauchkribbeln bei allen Beteiligten, weil wir uns bis zum Entwickeln der Bilder gedulden mussten. Danke an das Team von MUMMY MAG für das tolle Shooting und die Ehre, euer Covermodel zu sein.

13 Kommentare

  1. Und ich bin so froh, dass ich so jemanden wie dich kennen und sehr schätzen gelernt habe! Und ich glaube, wenn ich mich anstrenge, dann werde ich auch noch ein bisschen entspannter und weniger motzig! :)
    dani bloggte neulich: Auf zur BikinifigurMy Profile

    • Danke, Dani!
      Ich glaube, dass jeder jemanden kennen sollte, der wirklich gut motzen kann. Gerade heraus. Ohne Rüschen. Du bist toll so wie du bist!

      LG Sophie

  2. Von dir kann ich mir echt noch eine Scheibe abschneiden. So gelassen wäre ich auch oft gerne :)

    Sehr schöner Beitrag!

    Liebe Grüße, Biene

  3. FOMO ist wirklich unglaublich und ich ertappe mich auf FB auch ab und zu dabei, nur mal schnell gucken … Mit dem entspannt sein, hmmm, in der Theorie ist es klar, mit der Umsetzung hapert es noch. Super Post :-). Liebe Grüße, Ines

    • Hallo Ines,

      bis zum Artikel von Little Years kannte ich FOMO als Begriff gar nicht, aber ich habe mich auch vorher schon dabei ertappt, dass ich dachte: „Warum machst du all diese Sachen eigentlich nicht?“ Total bekloppt. In der Umsetzung geht es aber auch bei mir mal besser, mal schlechter. ;-)

      Liebe Grüße, Sophie!

  4. Wie wahr…
    „Ich habe beschlossen glücklich zu sein, weil es gut für die Gesundheit ist“ ist auch meine Devise.
    Ich bin auch mit steigender Kinderzahl entspannter und ruhiger geworden. Toller Post :)
    Liebe Grüsse,
    Nathalie

  5. Ich bin schon ohne Kinder weitaus unentspannter als du, arbeite aber ständig an einer entspannteren Einstellung. Ich habe dich und den gelassenen Umgang mit deinen Kindern am Wochenende sehr bewundert und kann verstehen, dass viele Mütter das an die bewundern. Vielleicht brauche ich ja auch drei Kinder und ein bisschen mehr Wahnsinn, um etwas gelassener zu werden. Du wirst jedenfalls eines meiner Vorbilder sein…

    Ein hübsches Theme hast du dir da übrigens ausgesucht. Das erinnert mich ein wenig an meins…

    Ich wünsche dir einen entspannten Tag und hoffe wir sehen uns bald wieder. Es war sehr schön dich und deine Süßen kennengelernt zu haben.

    Viele liebe Grüße,
    Lia

    • Hallo Lia,

      danke für dein Kompliment. Ich kann dir aber versprechen, dass man schon nach dem ersten Kind eine entspanntere Sicht auf viele Dinge bekommt. ;-)

      Und das Theme… ach ja, Zuki von Elmastudio ist schon echt schön. Aber ich bin schon wieder am Überlegen, ob ich nicht etwas Minimalistischeres nehmen sollte. Ich kenne mit deinem Blog jetzt noch einen mehr, bei dem es im Einsatz ist.

      Liebe Grüße, Sophie!

  6. Beneidenswerte Einstellung! Wenn Du mal Kurse für Entspanntheit und Glücklichsein gibst, melde ich mich sofort an und Du wirst reich – reich und glücklich ;-)
    Viele Grüße vom Fräulein-Unentspannt!

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