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Gehirn umständehalber abzugeben

Meine Oma nennt es ja gerne „andere Umstände“ und dann auch mit genügend Ausrufezeichen in ihrer Stimme. Manche nennen es auch eher „Zustand“. Bisher habe ich mich aber immer gegen solche Umschreibungen gewehrt und mit einem gelassenen Lächeln entgegnet, man solle mal hier keine Panik verbreiten, ich sei ja einfach nur schwanger. Jetzt lerne ich aber einen unangenehmen Umstand dieses Umstandes kennen. Die Rede ist von Gedächtnisverlust. Ganz ehrlich, ich mache mir ernsthaft Sorgen, ob es nicht sinnvoller wäre, mein hormongebeuteltes Gehirn in liebevolle Hände abzugeben.

Neulich erzähle ich Kind 1.0 beim Essen von unseren Freunden in Köln und dass die beiden jetzt ihr Baby bekommen haben. Natürlich will er gleich alle Details wissen. War das Baby auch bei seiner Mama im Bauch? Wie heißt das Baby? usw. Nur als ich ihm dann erzähle, dass das Baby ein ganz kleiner Junge ist, zieht er die Augenbrauen hoch und fragt mich skeptisch: „Die Emma ist ein Junge?“ Da muss ich mir also von meinem fast Dreijährigen sagen lassen, dass ich da offensichtlich gerade Quatsch erzählt habe. Emma ist natürlich das kleine Mädchen aus Köln und der Junge ist Benedict, der neue Spross von Freunden hier in Berlin.

Heute nach einem ausgiebigen Mittagsschläfchen mit Kind 1.0 erfasst mich pure Panik. Mein Ehering – gerade mal zwei Wochen alt – ist nicht mehr an meinem Finger. Behände, als hätte ich keinen Schwangerschaftsbauch, springe ich aus dem Bett, um sofort unter sämtlichen Kissen und Decken nach ihm zu suchen. Wie und wo ist er mir nur vom Finger gerutscht? Wo kullern gerade mehrere hundert Euro zzgl. unschätzbarem ideellem Wert bloß herum? Als ich später den Abfluss im Badezimmer im Verdacht habe, sehe ich ihn auf der Ablage über mir blitzen. Ich hatte mir vor dem Schläfchen einfach die Hände eingecremt und ihn dort abgelegt. Himmel, wo hatte ich bloß meinen Kopf?

Das Beste wäre wohl, ich würde in den Gelben Seiten gleich mal unter dem Stichwort „Detektive“ nachschauen bei den Suchprofis anfragen, ob sie für die nächsten zwei Wochen nicht ein Flatrate-Angebot für verloren gegangene Dinge anbieten können. Obwohl… Was heißt hier eigentlich für die nächsten zwei Wochen? Folgt nicht auf die Schwangerschaftsdemenz allsogleich die Stilldemenz? Na, dann nehm ich doch gleich das Jahresabo!

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