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Bin ich eine Latte-Macchiato-Mutter?

Mein gemischtes Frühstück in der Knilchbar

Es ist kurz nach 10 Uhr mitten in der Woche. Als frischgebackene Mama könnte ich ungezügelten Shoppinglaunen folgen und für mein Töchterchen Klamotten kaufen, die sie dann mit viel Glück etwa vier Wochen lang tragen wird. Stattdessen habe ich mich mit einer Freundin verabredet, um Babysachen zu tauschen. Die getragene Kleidung ihrer Tochter, die schon ein paar Monate älter ist als meine, gegen Jeans, Bodys und sonstige Sachen von meinem dreijährigen Sohnemann, die Mädels ganz genauso gut kleiden. Meine Kleidung wie bspw. meine Jeans, kaufe ich gern ganz neu im Netz – das spart Zeit und Nerven. Eine praktische Kleidungstauschpartnerin wie mein Töchterchen habe ich nicht.

Wir verbinden dieses Treffen anschließend mit einem Frühstück, nur dass wir dieses ins Friedrichshainer Eltern-Kind-Café Knilchbar verlagern. Mal raus aus den eigenen vier Wänden, mal keinen Abwasch machen müssen, deswegen.

Mein gemischtes Frühstück in der Knilchbar

Mein gemischter Frühstücksteller kurz vor der Vernichtung durch mich.

Und während ich mich zunächst einhändig, weil stillend, über einen grandios leckeren Frühstücksteller hermache und meinen Latte Macchiato schlürfe, dämmert’s mir: Ich bin wahrscheinlich eine dieser Latte-Macchiato-Mütter, über die in letzter Zeit so gern hergezogen wird. Ich wohne nur im falschen Berliner Stadtbezirk. Im Prenzlauer Berg sollen sie ja rudelweise in der Nähe von Szene-Cafés gesichtet worden sein. Ich nehme den Gedanken mit nach Hause und suche mal ein bisschen im Netz – recherchieren wäre wohl zu viel gesagt.

Und da finde ich im Wiki der Familieninsel folgendes:

„Latte-Macchiato-Mütter – mit diesem Begriff werden junge Mütter bezeichnet, die sich von früheren Müttergenerationen unterscheiden, weil sie das Leben mit Kind bewusst so weiterführen wie zuvor. Ausgedacht hat sich diese Bezeichnung Anja Kirig, Forscherin am privaten „Zukunftsinstitut“ im hessischen Kelkheim.“

In welchem Zusammenhang man sich mal eben so einen Begriff ausdenkt, frage ich mich und klicke mich bis zur Studie: „Modern Moms – Lebenswelten zwischen Kindern, Karriere und Konsum“ durch. Fanta als Auftraggeber dieser Studie wäre mir ganz ehrlich nicht in den Sinn gekommen, bringe ich dieses Kribbelwasser doch ganz selten mit dem Mutterdasein in Verbindung. Ich weiß nicht, was diese Studie Fanta als Getränkemarke gebracht hat, aber den Begriff der Latte-Macchiato-Mutter oder Latte-Macchiato-Mama hat sie geprägt. Und so ist denn auch im Duden, Das neue Wörterbuch der Szenesprachen ist unter dem Begriff „Latte-macchiato-Mama“ nachzulesen:

„Moderne Mütter sitzen nicht mehr isoliert zu Hause und hüten ihr quäkendes Bündel. Statt sich dem Hausfrauendasein zu ergeben, leben sie einen neuen Lifestyle. Trendige Mamas verabreden sich zum Shoppen, hängen mit ihren Kindern stundenlang in Szenecafés rum und trinken Modekaffees. Die kleinen werden dabei gerne mit einem Kinderlatte, der nur aus Milchschaum besteht, ruhiggestellt. Gehäuft trifft man diese neue Müttergeneration in den Szenevierteln urbaner Metropolen, in denen Kinder mittlerweile zu einem echten Modeaccessoire und Statussymbol geworden sind.“

Na, das lässt ahnen, was die Verfasser von dieser Art moderner Mütter halten. Mal so unter uns: Ich bin froh, dass Betreiber von Familiencafés wie der Knilchbar und anderen das Kaffee-Kind-Prinzip verstanden haben. Kinderfreundliche Gastronomie für alle, die sich nicht dem Hausfrauendasein ergeben. Hurra! Natürlich drehe ich mich nochmal vor dem Spiegel hin und her, bevor ich das Haus verlasse, bleibe aber gelassen, wenn ein Fleck ausgespuckter Milch den Kragen ziert. Natürlich ermöglicht mir das Elterngeld, die eine oder andere Mahlzeit mal außerhalb der Wohnung einzunehmen, dafür habe ich aber auch nach dem ersten Kind wieder lange genug in Vollzeit gearbeitet, um es zu bekommen. Und die Mutter, der es gelingt, ihr Kind stundenlang mit Milchschaum ruhig zu stellen, soll sich mal bei mir melden. Wir können ja einen Ratgeber zusammen schreiben.

Interessantes zum Weiterlesen in anderen Blogs:

Die neue Generation der Mütter: Latte-Macchiato-Mütter gebloggt in Katrin’s Baby Blog
Latte-Macchiato-Mama oder vom Klischee der isolierten Mutter gebloggt in Mayarosasweblog

5 Kommentare

  1. Mensch Sophie-ich wünsche Dir noch alles Gute zur Geburt. Dass ich das so vergessen konnte. Letztens dachte ich noch, was machen eigentlich meine Weleda-Damen? Du bist natürlich entschuldigt. Ich wünsche Dir eine schöne Zeit und hoffe, dass es Dir/Euch gut geht! Liebe Grüße Kaddi

  2. Rino sagt

    Hallo!

    Ich denke, dass das Problem nicht ist, dass ihr Latte Macchiato trinkt. Das Problem ist, dass ihr raushängen lasst, dass ihr das könnt und zwar in einer Gegend, die vor gar nicht all zu langer Zeit dafür stand, dass eben dieser Lebensstil nicht erstrebenswert ist. Wenig Verdienende und Kreative haben eine Nische für ihre Existenz gehabt, aus der sie schöpfen konnten. Ihr Latte-Macchiato-Muttis verkörpert die Arroganz eurer Generation, die sich über Werte, die aus purem Zusammenleben in diesen Kiezen, Innovation und Ideen, also größtenteils unabhängig vom Geld geschaffen wurden, hinwegsetzt. Ihr tragt nichts bei! Ihr nutzt nur und kauft auf und vertreibt damit die Seele aus der Stadt. Clubs die im Geiste des urbanen Zusammenlebens entstanden sind und vielen Berlinern am Herzen liegen, müssen nun schließen, damit eure Babies schlafen können.

    Achso… noch ein Anliegen in anderer Sache:

    Vielleicht kannst du ja mal den ganzen Feministinnen da draußen erklären, dass es dir verdammt gut zu gehen scheint! Meine Professorin heult mir nämlich in beinahe jeder Vorlesung vor, dass Frauen so fürchterlich benachteiligt würden. Ich sehe ein, dass es unfair ist einer Frau für die gleiche Arbeit 300 Euro weniger als einem Mann zu geben… Aber darüber hinaus?? Frauen können Polizeipräsidentin, Bundeskanzlerin oder Fußballspielerin werden, wenn sie wollen… und wenn nicht, dann nicht.

    • Danke für deinen kritischen Kommentar. Du vermutest, dass das Leben als Latte-Macchiato-Mama vor allem aus Konsum und Verdrängung von allem, was den eigenen Lebensstil stört, besteht. Tatsächlich kenne ich viele dieser vermeintlich arroganten Spezies, die schon vor der Wende hier lebten und den Wandel ihres Bezirkes hautnah miterleben, die sich ehrenamtlich im Kiez engagieren, die es aber leid sind, dass man mit einem kleinen Windelpupser möglichst still als Heimchen am Herd zu Hause zu bleiben hat, bis der oder die Kleine „aus dem Gröbsten raus ist“.
      Egal für welchen Lebensstil man sich nach der Geburt seines Kindes entscheidet, man ist leider entweder die karrieregeile Rabenmutter oder die arbeitsscheue Glucke – oder irgendetwas dazwischen, das auch wieder keinem passt. Als mein Sohn ein Jahr alt war, bin ich wieder arbeiten gegangen, als ich jedoch bald wieder meine alte Stundenzahl zurück haben wollte, erntete ich den entsetzten Blick meiner Vorgesetzten und die Frage, ob ich denn nicht weiter eine Teilzeit-Mama bleiben wolle. Das würden schließlich die meisten Frauen mit Kindern so machen. Ich glaube, viele Mütter können gern auf feministische Errungenschaften wie „Frauenbadetag“ und „Frauenquote“ verzichten, wenn sie sich nicht länger für ihr gewähltes Lebensmodell entschuldigen müssten – und zwar egal, welches. Notfalls auch das der konsumfreudigen Latte-Macchiato-Mutter.

  3. Also ich weiß nicht, was das soll?! Männer können sich das tatsächlich aussuchen, ob sie nach dem Vater werden zu Hause bleiben wollen (Vaterschaftsjahr) oder nicht. Wenn eine Frau aber wieder vollzeit arbeiten will, wenn das kleine Dingelchen auch ihrem Bauch bereits ein Jahr alt und Kita-reif ist, dann wird sie schief angegeuckt.

    @Rino: Wenn deine Professorin DIR das vorheult, dann läuft da was schief. Und nur weil es deiner Professorin schlecht geht, heißt das noch lange nicht, dass das bei allen Frauen so ist, und dass alle Feministinnen das so sagen. Bei denen geht es nämlich mittlerweile um die berufliche Gleichberechtigung (zumindest innerhalb Deutschlands). Also bitte, keine Pauschalisierung. Und nur,weil sich die „neue Generation“ der Mütter mal inklusive Kind(ern) in einem Café treffen und Latte MAcchiato trinken, heißt das noch lange nciht, dass sie nichts für die Gesellschaft tun. Wie Sophie schon schrieb: Die meisten dieser Frauen sind gesellschaftlich wahrscheinlich engagierter als du oder ich!

  4. Pingback: Cities & Kids: 10 Tipps über BERLIN von Sophie Lüttich

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