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Zum Glück habe ich Kinder! Zum Glück aber noch mehr.

Kinder machen glücklich, aber es gibt zum Glück noch mehr!

Diese Zeilen haben nichts mit Müttern und Kindern zu tun, denn es geht hier um die Beziehung zwischen Vater und Sohn, um Migration, Religion und einen Generationenkonflikt*. Aber diese Textstelle habe ich zweimal gelesen, weil sie im Grunde ganz viel mit mir als Mutter und meinen Kindern zu tun hat.

“Ich will nicht der Grund sein dafür, dass es dir scheiße geht”, sage ich, “aber du kannst dein Glück nicht von meinem Leben abhängig machen. Das ist unfair mir gegenüber.”

Meine Kinder sind mein Glück. Ich bin glücklich, dass ich sie habe. Ich bin glücklich, weil sie mein Leben bereichern und ich bin gern Mutter. Aber habe ich erst durch die Kinder mein wahres Glück gefunden? Oder hängt mein Glück davon ab, welches Leben meine Kinder führen werden? Und wer hat sich überhaupt ausgedacht, dass Kinder ihre Eltern glücklich machen müssen?

Kinder machen glücklich, aber es gibt zum Glück noch mehr!

Glück kannst du bei der Geburt nicht mit herauspressen.

Kind 1.0 war ungefähr ein halbes Jahr alt und lag auf einer Krabbeldecke im Kindercafé, während ich genüsslich ein Stück Cheesecake in mich hinein schaufelte. Eine andere Mutter hatte ihren Sohn daneben gelegt und es war eine Freude mit anzusehen, wie die beiden Kontakt zueinander aufnahmen. Mitten in dieser anrührenden Szene stellte die Mutter mir die wohl eher rhetorisch gemeinte Frage: „Findest du nicht auch, dass man jetzt als Mutter endlich das wahre Glück gefunden hat?“ Ich hatte ihr geantwortet, dass bei mir das Glück bei der Geburt leider nicht automatisch mitgeliefert wurde. Vielmehr müsse ich es ziemlich oft suchen, oft sogar in den ganz kleinen Dingen des Alltags.

Ganz ähnlich ist auch die Frage: „Könntest du dir ein Leben ohne Kinder überhaupt noch vorstellen?“ Ganz ehrlich? An jedem Wochenende, an dem der Tag dank der Kinder schon vor dem Sonnenaufgang anfängt, kann ich mir ein Leben ohne Kinder verdammt gut vorstellen! Ob ich meine Kinder wieder hergeben würde, steht auf einem ganz anderen Blatt. Das würde ich um nichts in der Welt tun. Doch auch ganz ohne meine Kinder glaube ich, mir ein großes Stück vom Kuchen namens Glück verdient zu haben. Ich mache mein Glück nicht von meinen Kindern abhängig, denn das wäre ihnen gegenüber tatsächlich unfair.

Es ist nicht Aufgabe meiner Kinder mich glücklich zu machen.

Meine Kinder machen mich glücklich. Nicht 24 Stunden am Tag, aber in der Gesamtrechnung steht ein deutlicher Zugewinn an wunderbarem Mutterglück. Ich für meinen Teil lasse mir auch eine Menge einfallen, um zum Kinderglück beizutragen. Aber auch das nicht 24 Stunden am Tag. Ich habe das Geben und Nehmen nie gegeneinander abgewogen. Würde ich für meine getätigten „Investitionen“ in meine Kinder von ihnen verlangen, dass sie mich glücklich machen, wäre das sogar ziemlich hinterhältig, denn von solch einer Abmachung konnten sie nichts ahnen, als sie auf die Welt kamen. Ohne die Vertragsbedingungen zu kennen, wurden sie in dieses Leben hineingeboren.

Natürlich haben wir als Mütter ganz bestimmte Erwartungen, wie sich unsere Kinder entwickeln werden. Und wenn sich diese Erwartungen nicht erfüllen, bringt uns das mitunter in blöde Situationen. Ich sage nur Stichworte wie Durchschlafen, erste Worte, erste Schritte, Fahrrad fahrenNamen schreiben…
Zum Glück gibt es Menschen wie meine Kinderärztin, die bei Vorsorgeuntersuchungen lieber einmal öfter „warten wir’s mal ab“ sagte, als mir Angst zu machen, wenn ein Entwicklungsschritt nicht ganz nach Tabelle erfolgte.
Nun ist mein Ältester gerade einmal sieben Jahre alt und geht in die zweite Klasse. Es soll Eltern geben, die bereits zu diesem Zeitpunkt in die Entwicklung ihres Kindes schon die Summe eines Kleinwagens investiert haben und genau wissen, was aus ihrem Nachwuchs später einmal werden soll. Ein Kind muss sich schließlich lohnen. Hier fällt mir dann wieder dieser schöne Werbespot ein, in dem es heißt:

„Denn es gibt nichts, was ein Kind nicht werden kann – wenn man es zuerst mal eins sein lässt: Kind. Einfach nur Kind.“

Auf die Frage, was sie einmal werden will, wenn sie groß ist, antwortete mein Kind 2.0 im Alter von drei Jahren verblüfft: „Was muss ich denn werden? Ich bin doch schon die Henriette!“ Ja, nun ist es raus, dass Kind 2.0 einen richtigen Vornamen hat. Aber sonst klänge das Zitat wirklich merkwürdig… Ich jedenfalls hätte es nicht besser formulieren können. Natürlich möchte auch ich, dass meine Kinder sich für etwas begeistern, sich Ziele setzen und an ihren Aufgaben wachsen. Wenn mich jemand fragen würde, was meine Kinder später mal werden sollen, würde ich sagen: „Glücklich!“ Schwierig wird es nur dann, wenn meine Vorstellung von glücklich ganz und gar nicht nicht mit ihrer Vorstellung von glücklich übereinstimmt.

Es ist tröstlich, dass Kinder eigentlich gar nicht glücklich machen.

Wenn einen die lieben Kleinen mal wieder zur Weißglut treiben, anstatt uns Glück und Freude zu bescheren, dann helfen vielleicht die Wissenschaft und die Glücksforscher, die nicht müde werden zu betonen, dass Kinder nachweislich nicht automatisch glücklich machen. Zum Beispiel hier oder hier. Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen finden keinen eindeutigen Glückseffekt für Eltern. Eher das Gegenteil sei der Fall. Ich für meinen Tiel finde das aber gar nicht traurig, sondern tröstlich. Es nimmt mir den Druck, mich als Mutter permanent glücklich fühlen zu müssen.

Denn wenn mal wieder alles anders kommt, als ich es erwartet habe, dann geht davon nicht die Welt unter. Es könnte auch nur der Anfang einer Heldenreise sein, wie ich in der vergangenen Woche gelernt habe. Die hat auch etwas mit Glück zu tun und manchmal mit meinem Dasein als Mutter. Aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt hole ich mir erst einmal aus der Küche ein Stück Schokolade. Die macht nämlich nachweislich auch glücklich.

 

*Das obige Zitat stammt aus dem Artikel Bruchreif auf dem Kleiderdrei-Blog und ich empfehle ausdrücklich, diesen Artikel zu lesen. Nehmt euch dafür Zeit und Ruhe.

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9 Kommentare

  1. Mensch, jetzt ist mir wuschig vom vielen Nicken :)
    Dein Artikel spricht mir sehr aus dem Herzen. Danke dafür. Diese unselige Frage „Was willst Du denn mal werden…?“ werde ich, das habe ich mir versprochen, dem Kiddo nie stellen. Und dieser ganze Frühförderungskram geht mir, mit Verlaub, am Arsch vorbei.

    Ich wünsche mir, dass mein Kiddo ein neugieriger, experimentierfreudiger Mensch wird, der viele Dinge entdecken kann, die ihn glücklich machen.

    Und ja, mit der Geburt des Kiddo habe ich eine neue Dimension an Gefühlen entdeckt, aber das „wahre Glück“? Was soll das sein? Kommt mir vor wie Sozialromantik.
    kiddo the kid bloggte neulich: Liebes Kiddo,My Profile

  2. Ingrid-Luise sagt

    Zum Glück sind viele jüngere Frauen heute endlich bereit, darüber zu sprechen, dass Kinder allein nicht zum Glücklich-sein reichen. Dass dieser Anspruch an sich selbst, nun doch einfach nur und nur glücklich sein zu müssen, da frau doch das größte Glück der Erde für sich beanspruchen kann: nämlich „Mutter sein“ eine irre Überfrachtung für einen selbst und eine unfaire Bürde für die Kinder sind.
    Die vor Mutterglück glasigen Augen, die gehauchten Worte von Mutter zu Mutter „wie glücklich wir doch sind, was für ein Glück wir doch haben“ usw. sind ja alle wahr und doch auch nicht wahr, wenn sie für sich allein stehen bleiben. Dieser neurotische Glückszwang unter Müttern ist wirklich eine Last, welche wiederrum Neurosen und sogar Depressionen hervorbringt. Die Welt außerhalb der Mutterschaft existiert zum Glück weiter und das Leben einer Frau endet nicht im Kreißsaal. Aus diesem kommt zwar im Normalfall eine Frau heraus, die jetzt AUCH Mutter ist, aber eben nur AUCH.

  3. Laura sagt

    Dankeeee… ich bin ganz frischgebackene mama und habe ein wirklich seeeeehr anstrengendes Baby im Kreissaal gewonnen. Es ist aber auch noch das süßeste Baby was ich je gesehen habe… So oder so…ich finde es toll jetzt Mama zu sein und so ein Babylächeln ist ja wirklich der Knaller aber ich war vorher schon glücklich und bin es noch…und ich weiß auch : Nur Baby und sonst nichts, macht mich auch nicht glücklich, dafür bin ich einfach zu gerne ich : mit Job und Mann und Mädelsabenden und und und…Dankeee für den tollen Text

    • Liebe Laura,

      dann erst einmal herzlichen Glückwunsch! Und wie du schon schreibst, es ist „so oder so“. Man kann es sowieso nicht voraus sagen, wie der Tag wird. :-)

      Liebe Grüße, Sophie!

  4. Oh, das ist so wahr. Und ich bin froh, dass es auch Mütter gibt, die zugeben, dass sie auch gerne sie selbst sind. Dass sie wissen, dass man einen schönen Tag auch dann haben kann wenn grad kein Kind daheim ist und dass man das durchaus auch DARF.

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