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Fahrinfos mit der Kids-App „VBB jump“: So funktioniert die ÖPNV App für Kinder

Auswahl der Ziele in der Oberfläche der App - Smartphone mit Hilferuf-Funktion - - Fahrinfos mit der Kids-App „VBB jump“: So funktioniert die ÖPNV App für Kinder

Wie komme ich von A nach B? Oder von hier wieder nach Hause? Schnell das Handy gezückt, das Ziel in die App getippt und los. Nahverkehrs-Apps sind für uns Erwachsene selbstverständlich. Notfalls geht immer noch Google Maps. Wirklich kindgerecht sind diese Fahrinfo-Apps aber nicht. Mit der Kids-App „VBB jump“ gibt es jetzt eine Alternative, die speziell für Kinder entwickelt wurde, die schon ein eigenes Handy besitzen und mit dem ÖPNV in Berlin und Brandenburg unterwegs sind.  

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Der Verkehrsbund Berlin-Brandenburg (VBB) stellt mit seiner Kids-App „VBB jump” eine App für den ÖPNV bereit, die vor allem einfach und intuitiv für Kinder sein soll. Nicht ohne Stolz nennt der Verkehrsverbund seine die App„Deutschlands erste und bisher einzige Kinder-App für den Nahverkehr“.

Wie funktioniert die Kids-App „VBB jump“? Wodurch unterscheidet sich die App von den Fahrinfo-Apps für Erwachsene? Wie gut kommen Kinder mit dieser Verkehrs-App in Berlin und Brandenburg klar? Zusammen mit meiner Tochter (8 Jahre) und meinem Sohn (11 Jahre) habe ich mir die App genauer angeschaut. Hier ist unser Erfahrungsbericht. 

Warum eigentlich eine ÖPNV App für Kinder?

Das Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln will gelernt sein. Das wird mir immer wieder bewusst, wenn meine Tochter eine Freundin mit nach Hause bringen möchte, aber die nicht mitkommen darf, weil die Mädchen zwei Stationen mit der U-Bahn fahren müssten. Meine Tochter schaut mich dann immer ganz verwundert an, wenn sie mir von dieser Begründung berichtet. 

Dabei halte ich Verkehrskompetenz in vielerlei Hinsicht für wichtig. Und damit meine ich nicht nur, dass man weiß, wie man eine Straße überquert, ohne sich von einem Auto überfahren zu lassen. Es geht um Orientierung im eignen Sozialraum und dass man sich mit den gängigsten Verkehrsmitteln seines Ortes auskennt. Wir in Berlin haben reichlich davon. 

Es gibt die S-Bahn, die U-Bahn, Straßenbahnen, Busse und sogar schöne Fähren, mit denen man schon fast ein Ausflugs-Feeling hat. Aber das ist ein anderes Thema. Fakt ist – egal wie sehr wir Berliner immer was zu meckern haben – dass wir ein ziemlich gutes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln haben und man in hier in der Hauptstadt eigentlich nie weiter weg als 500 Meter von der nächsten Haltestelle entfernt steht. 

Zudem dürfen alle Schulkinder ab August die öffentlichen Verkehrsmittel kostenfrei benutzen. Aber nur weil alle Schulkinder das bald kostenfrei tun dürfen, heißt es noch nicht, dass sie es auch können. 

Die Kids-App „VBB jump“ soll dabei unterstützen, diese Verkehrskompetenz zu trainieren und dabei Sicherheit geben – sowohl den Kindern als auch den Eltern. Die Idee hinter der App leuchtet auch mir ein: Eine Navigationshilfe, die zuverlässig funktioniert und mit ihren Funktionalitäten die Kinder nicht überfordert

Wie funktioniert die Kids-App „VBB jump“? 

Was wir zuerst gemeinsam einrichten, ist das “jump Board” mit einem kleinen Avatar oder dem eigenen Foto in der Mitte. Der Sohn entscheidet sich gegen ein Foto und für einen Avatar mit der einleuchtenden Begründung: „Ich weiß doch schließlich, wie ich aussehe!“ Da meine Tochter noch kein eigenes Smartphone hat, nutzen wir dafür kurzerhand meines. Es schadet ja nicht, schon mal ein bisschen zu üben. 

Um den Avatar herum fügen wir typische Ziele ein, für die die Kinder die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Auch Ziele für die sie normalerweise von Zuhause aus das Fahrrad oder den Roller benutzen, kommen dazu. Schließlich startet man ja nicht immer von zu Hause, das Wetter ist mal nicht so gut oder man hat schlichtweg keine Lust zu laufen.

Auswahl der Ziele in der Oberfläche der App - Smartphone mit Hilferuf-Funktion - - Fahrinfos mit der Kids-App „VBB jump“: So funktioniert die ÖPNV App für Kinder
Einfach den Avatar auf das Ziel ziehen, um eine Verbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu bekommen

Schnell stellen sie fest, dass es bei den Icons zwar lustige Köpfe gibt, die ziemlich genau auf den einen Opa und die andere Oma passen, aber kein Icon, das zwei Großeltern symbolisiert. Aber auch bei den Zielen lässt sich alternativ immer ein Foto hinterlegen. 

Ist das “jump Board” einmal eingerichtet, begreifen Kinder sofort, wie es weitergeht. Mit dem Finger zieht man den eigenen Avatar einfach auf das gewünschte Ziel und bekommt die nächsten möglichen Verbindungen in Echtzeit angezeigt. Mögliche Verspätungen werden gleich mit angegeben. 

Gespeicherte Helfer und die nützliche Hilfefunktion

So, wie die Kinder am Anfang die Ziele einrichten, lassen sich auch unter dem Menüpunkt „Helfer“ bestimmte Hilfekontakt mit der dazugehörigen Mobilnummer anlegen. Der Hilfebutton ist bei der App immer rechts oben eingeblendet. 

Smartphone mit Kids-App "VBB Jump" in den Einstellungen - Fahrinfos mit der Kids-App „VBB jump“: So funktioniert die ÖPNV App für Kinder
In der App lassen sich Helfer für Notfälle anlegen

Ist das Kind in den falschen Bus gestiegen? Hat es die Station verpasst und ist mit der U-Bahn zu weit gefahren? Fährt gerade die Straßenbahn nicht wegen eines Unfalls auf der Strecke? Es gibt viele Gründe, warum der Weg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht so verläuft, wie man es gewohnt ist.

In solchen Fällen kann das Kind schnell und unkompliziert über den Hilfebutton einen hinterlegten Kontakt via SMS oder Anruf erreichen. Die App ergänzt automatisch, wie viel Akkulaufzeit das genutzte Smartphone noch hat und sendet zudem Informationen zum aktuellen Standort des Kindes mit. 

Als wir am Wochenende von unserem Gartengrundstück durch den Wald hinunter zum See gehen, möchte mein Sohn die App dem Härtetest unterziehen. Würde ein Hilferuf per App auch hier „am A*** der Welt“ gehen? Für die Kinder ist ja alles, was nicht unmittelbar mit der U-Bahn oder S-Bahn erreichbar ist bereits am „am A*** der Welt“. Doch die App ortet unseren Standpunkt zuverlässig am nächsten Grundstück, das hier am Waldrand liegt. Sogar mit Parzellennummer! 

Smartphone mit Hilferuf-Funktion - - Fahrinfos mit der Kids-App „VBB jump“: So funktioniert die ÖPNV App für Kinder
Praktisch ist die Benachrichtigungsfunktion über den Hilfebutton

Was ist mir als Mutter aufgefallen?

Dass die App werbefrei und kostenlos. ist, brauche ich sicher nicht zu erwähnen. Anders hätte ich es bei einer offiziellen App vom Verkehrsverbund aber auch nicht erwartet. Die App ist mit Android-Systemen ab Version 4.0 sowie Apple iOS ab Version 10.0 kompatibel. Das ist gut zu wissen, denn ich kenne einige Familien, in denen es wie bei uns gehandhabt wird, und das Kind ein etwas älteres Smartphone bekommt, das vorher ein Elternteil in Gebrauch hatte.

Beim Ausprobieren der App haben wir uns tatsächlich sehr schnell zurecht gefunden und konnten sie auch ohne Anleitung problemlos bedienen. Es sind inzwischen sogar ein paar Ziele eingespeichert, zu denen die Kinder eigentlich nie ohne den Rest der Familie hinfahren würden, wie zum Beispiel in den Garten.Aber es schadet ja nicht, auch mal die Kinder nach der nächsten passenden Verbindung suchen zu lassen.

Als Ergänzung zu den vielen Spiele-Apps, die sich sonst so auf den Smartphones von Kindern befinden, ist es ohnehin keine schlechte Idee, ein paar nützliche Apps drauf zu haben. Das erinnert die Kinder ab uns zu daran, dass ein Smartphone durchaus ein praktischer Helfer ist, um im Alltag zurecht zu kommen  – vorausgesetzt, man weiß es auch zu nutzen.

Ich kann mich auch gut vorstellen, dass ältere Menschen diese App ziemlich praktisch finden werden. Sie ist schön kontrastreich, hat nicht zu viele kleine Details und beschränkt sich auf die wesentlichsten Funktionen.

Was ist den Kindern aufgefallen?

Natürlich haben wir gleich einmal verschiedene Routen ausprobiert, darunter auch den neuen Schulweg für den Sohn. Wir gehören ja leider zu den Familien, die entgegen ihrer Wünsche eine ganz andere Schule zugeteilt bekamen – und das auch noch in einem ganz anderen Teil dieser großen Stadt Berlin. Aber das ist eine andere Geschichte, deren Ausgang noch nicht geschrieben steht. 

Beim Weg zur neuen Schule fällt uns auf, dass beim letzten Stück, dass zu Fuß zurückzulegen ist, keine Wegbeschreibung integriert ist. Das macht uns zunächst stutzig, denn von meiner Erwachsenen-App kenne ich es anders.

In den häufigen Fragen zur Kids-App „VBB jump“ finden wir dann aber die Antwort: Die App wurde in der Anwendung so einfach wie möglich für die junge Zielgruppe konzipiert. Bei der Entwicklung der App zusammen mit Kindern hat sich gezeigt, dass das Fußwegrouting in dem Alter noch nicht verstanden wird. 

Bei unseren Überlegungen wird auch schnell klar, dass wir als Eltern auch nicht unsere Kinder allein mit dem Smartphone zu einem Ziel schicken würden, bei dem sie noch nie waren und den Fußweg nicht kennen. Es geht bei der App eher darum, schnell einen Überblick zu bekommen, wie man als Kind in einem bestimmten Moment zu einem der bekannten Ziele kommt. Habe ich noch Zeit oder muss ich mich beeilen? Nehme ich die schnelle Verbindung, bei der ich aber noch einmal umsteigen muss? Oder darf es auch die nächste Alternative sein, bei der ich paar Minuten langsamer bin, aber durchfahren kann? 

Ich bin gespannt, wie sich die App weiterentwickeln wird und ob demnächst neue Funktionen dazu kommen werden. Die Kinder würden auf jeden Fall eine Erweiterung der Icons anregen – einen Zombie zum Beispiel. Allerdings konnte ich ihnen nicht entlocken, wessen Adresse sie mit diesem Icon hinterlegt hätten. 

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