Fundstücke, Mutter sein
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Wir sind nicht nur Familie, wir sind Markt

Wir sind nicht nur Familie, wir sind Markt: Cover der Studie Familienmärkte, Quelle: www.zukunftsinstitut.de

Manchmal ist es so, dass du einen Blogartikel fast fertig hast – eigentlich fehlen nur noch die Fotos – und dann musst du einfach einen anderen drauf los schreiben, weil dir mal wieder ein schönes Netz-Funstück begegnet ist. Es gibt eine Studie, die zum Preis von 250 Euro das abdruckt, was wir eigentlich alle längst wissen. Familien gibt es irgendwie schon seit immer, Familien sind niemals gleich und auch ständig im Wandel. Und Familien stellen immer einen attraktiven Markt für Unternehmen dar – manche haben es nur noch nicht erkannt.

Wir sind nicht nur Familie, wir sind Markt: Cover der Studie Familienmärkte, Quelle: www.zukunftsinstitut.de

Coverteil der Studie „Familienmärkte“, Quelle: www.zukunftsinstitut.de

Solche Studien bringen dann schon mal den Begriff der Latte Macchiato Mutter hervor, der mal mehr mal weniger in der Medienlandschaft auftaucht, aber irgendwie nicht mehr in Vergessenheit geraten will. Nicht nur für Mütter, auch für die sich ständig im Umbruch begriffenen Familien muss es doch die passenden Schubladen Marktsegmente geben, oder nicht? Zugegeben, die Pluralisierung der Lebenswelten und der Lebensentwürfe machen es Marketingverantwortlichen immer schwerer, Zielgruppen zu definieren und voneinander abzugrenzen. Einfache Modelle funktionieren daher heute immer weniger. Aber wer hat auch je behauptet, es wäre einfach, ja gar überhaupt möglich, Lebenswelten in Modellen auszudrücken? Eine noch relativ neues Modell ist die Zielgruppensegmentierung nach Familienphasen. Dieser beruht auf der familiären Lebenssituation und der damit verknüpften Zeitsouveränität.

Egal, in welcher Phase man sich als wandelnde Familie befindet, Markt ist man immer. Das fängt schon an, bevor man überhaupt zu einer Familie wird. In der Studie sind das die Early-Bird-Märkte, die Märkte der Vorfreude. Aus einem anderen Familienmarkt-Segment stammt die Aussage: „Kinder werden heute professionell gemanagt.“ Die Rede ist von den High-Professional-Märkte, die fleißig am „Projekt Kind“ arbeiten und daher ziemlich attraktiv für Zeitspar-Services und Profi-Dienste sind. Aber auch, wenn’s familientechnisch nicht so super läuft, kann man sich damit trösten, wenigstens immer noch attraktiver Markt für Unternehmen zu sein. Für die Burn-Out-Märkte eignen sich laut Studie Angebote für mehr Zeit, Regeneration und innere Gelassenheit – vom All-Inclusive-Urlaub bis zum Nachbarschaftsportal. Selbst als intakte, wunschlos glückliche Familie ist man einem Irrtum aufgesessen, wenn man meint, hier nicht im Fokus der Marketingverantwortlichen zu sein. Für Markenartikler ist diese Phase nämlich besonders interessant. Glückliche Familie war gestern. Heute gehört man zu den Happy-Go-Lucky-Märkten und ist eine attraktive Zielgruppe für „Rundum-glücklich-Pakete für die glückliche Familie“. Das musste ich einfach so als Zitat formulieren!

Doch zurück zur Zeitsouveränität. „Das zentrale Charakteristikum und die größte Knappheit von Familien ist der Faktor Zeit, der je nach Lebenssituation mehr oder weniger vorhanden ist.“, heißt es im Infotext zur Studie. Familienmärkte sind also Zeitmärkte. Ich allerdings sehe das anders und Kind 1.0, mein täglicher Philosophie-Partner am Frühstückstisch, hatte sich diesem Thema auch schon gewidmet. Um es in etwa mit seinen Worten auszudrücken: „Zeit ist ja immer da. Die kann man nicht anfassen, das wissen ja alle. Trotzdem sagen die Leute manchmal, die zieht sich wie Kaugummi. Und die Zeit für LEGO Star Wars ist sowieso immer zu kurz. Mama, du sagst immer eine Viertelstunde, aber das sind ja auch nur 15 Minuten.“

Ich hatte schon mal auf NetWorkingMom.de in einem Blogartikel über doofes Termin-Tetris darüber gemeckert: Wieso wollen uns so viele glauben machen, dass man Termine nur clever genug drehen und ineinander puzzeln müsse und sogleich würden die unteren Reihen der Verpflichtungen auf wundersame Weise verschwinden? Egal, wie man es dreht und wendet, die Zeit wird nicht mehr und nicht weniger. Wir können uns nur entscheiden, wie wir sie verbringen – inklusive aller Konsequenzen.

Wer übrigens noch mehr über Marktsegmente Schubladen und Familien lesen möchte, dem lege ich unter anderem den Artikel von Mama Mia ans Herz. Und nicht zu vergessen, der wirklich wichtige Beitrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Thema Aufräumen mit Kindern. Und auch hier werde ich immer wieder auch über Produkte schreiben und Dienstleistungen und Urlaub. Je nachdem, in welchem Segment wir uns als Familie gerade so herumtreiben.

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