Kind & Kegel, Reisen mit Kindern
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Wie ein Buch dem Papa doch noch ein Lächeln entlockte

Mit diesem Blogartikel möchte ich mich gleich bei zwei Menschen entschuldigen: Bei meinem Mann, den ich eigentlich davon überzeugen wollte, wie günstig, schnell und entspannt unsere Bahnreise mit Kindern sein würde. Ebenfalls bei dem netten älteren Herren mit dem Rollkoffer, der unseretwegen eine Station später aus dem Zug hechtete, als er eigentlich wollte. Das Ostseeticket in der Tasche, die Koffer gepackt und Proviant für eine Reise nach Bayern in der Tasche wollten wir eigentlich ganz entspannt an die Ostsee reisen. Heringsdorf auf Usedom war unser Ziel. Angekommen sind wir, aber nicht so, wie ich es meinem Mann vorschwärmte, um ihn vom Reisen mit der Regionalbahn zu überzeugen.

Was aus meinen ganz persönlichen Gründen für Bahnreisen mit Kindern geworden ist? Okay, hier kommt eine kurze Bilanz. Der Erlebnisfaktor sei ungleich höher als bei einer Autofahrt, schrieb ich. Dem Adrenalinspiegel gleich zu Beginn unserer Fahrt nach zu urteilen, hatten wir den ultimativen Erlebnisfaktor. Er stieg exponentiell mit jeder erneuten Ansage zur Verspätung unseres Zuges. Bei 55 Minuten Verspätung hatte ich noch die Anzeige fotografiert, bei über einer Stunde war mir nicht mehr danach zumute.  Der Regionalzug war voll. Voller Menschen, voller Fahrräder, voller Gepäck. Hinter einem Berg von Fahrrädern sah ich meinen Mann mit versteinerter Miene auf dem Koffer sitzen. Ich hatte auch mit dem Bewegungsdrang der Kinder argumentiert, doch dem konnten sie erst nach der Hälfte der Strecke nachgeben, als sich der Zug langsam leerte. Kind 1.0 übte sich im Poledance und Kind 2.0 klappte so ungefähr 100 Mal ihren Sitz rauf und runter. Zugegeben, den preislichen Vergleich gewinnt ganz klar die Bahnreise. Mit dem Ostseeticket fuhren wir für 76 Euro von Berlin nach Usedom und wieder zurück. Das Geld, das sonst für die Tiefgarage drauf gegangen wäre, wurde vor Ort in gekühlte Getränke von der Bar investiert.

Bahnreise mit Kindern, Tücken und einem guten Buch

Natürlich hatten wir mehr Zeit miteinander für Kartenspiele, Vernichtung der Fressvorräte und für das Lesen von vielen, vielen Büchern. Ein paar Tage zuvor brachte der Postbote ein paar neue Bücher von PiNGPONG und der Nachwuchs bestand darauf, die neuen Bücher alle mitzunehmen. Ich vermute, dass PiNGPONG aus dem Hause Langenscheidt den Wenigsten ein Begriff sein dürfte. Langenscheidt sind ja die mit den gelben Wörterbüchern (ich sage nur Frau-Deutsch/Deutsch-Frau…), aber Kinderbücher? Tatsächlich muss ich an dieser Stelle aber dem Langenscheidt Verlag und besonders der Autorin Andrea Schütze für das grandiose Buch Die fabelhafte Reise zu den ABC-Inseln“ danken. Als ich den Kindern die Geschehnisse auf der F-Insel vorlas – oder mehr gegen das Kichern kämpfte und die Geschichte satzweise rausprustete – sah ich endlich das erste Lächeln in den Gesichtszügen meines Mannes. Dazu muss man wissen, dass in dem Buch drei Kinder auf dem Dachboden ein Schiff aus Krimskrams bauen und zusammen mit ihrem Großvater und mit Hilfe eines dicken Buches, das der Opa Alphabetarium nennt, zu den ABC-Inseln schippern. Auf jeder Insel passiert etwas und zwar in Geschichten geschrieben, bei denen jedes Wort mit dem Buchstaben der Insel beginnt. Alle Achtung, Alliterationen!

Eine Geschichte ganz aus Wörtern, die zum Beispiel mit M beginnen? Würde ich nie im Leben zusammen bekommen. Andrea Schütze hat das geschafft und ihre Geschichten sind wirklich der Knaller. Lediglich bei den XY-Inseln zweifelt der Großvater, ob man sie wirklich ansteuern solle. Dort gehe es drunter und drüber und sogar Wörter mit anderen Anfangsbuchstaben schleichen sich ein. Natürlich wollen seine Enkel nun erst recht dorthin. Das Vorlesen macht Erwachsenen irrsinnig viel Spaß und den Kindern richtig Lust auf Sprachspielereien. Die F-Geschichte vom Faultier und seinen Flatulenzen, in der sogar das Wort Furzen (Haha, Mama, du hast Furzen gesagt!) vorkommt, konnte ich dann wirklich nicht mehr vernünftig vorlesen. Ich musste fortwährend lachen, mein Mann konnte endlich wieder lächeln und der ältere Herr, der mir gegenüber saß und seit der ersten Geschichte zugehört hatte, musste ebenfalls kichern. Zumindest so lange, bis er plötzlich am Bahnhof Wolgast Hafen aufsprang, etwas von „Mist, Hafen!“ zischte und aus dem Zug hastete. Ich glaube aber, dass Wolgast nicht so groß ist und er noch einen schönen Spaziergang zurück zum Bahnhof Wolgast genossen hat. Auf der Rückfahrt musste ich gleich noch einmal das ganze Buch vorlesen. Falsch ausgestiegen war aber diesmal niemand.

Bahnreise mit Kindern, Tücken und einem guten Buch: Die fabelhafte Reise zu den ABC-Inseln von Andrea Schütze (Fotos: PiNGPONG vom Langenscheidt Verlag)

Ich freue mich zum einen, dass ich auf www.pingpong-welt.de  schon das Nachfolgebuch entdeckt habe, das im August 2013 erscheint und „Im zauberhaften ABC-Zug zum Zungenbrecherfelsen“ heißt. Die Kinder fahren diesmal mit ihrem Großvater mit dem Zug.

Der Vater der Kinder freilich ist zu Hause geblieben und wird wohl bei der nächsten Reise wieder das Auto nehmen. Auch die Mutter ist auf dem Titelbild nicht zu sehen. Die bloggt nämlich die ganze Zeit und heckt einen Plan aus, wie sie ihren Mann doch noch von den angenehmen Seiten der Bahn überzeugen kann…

Und wer mehr über meine Überzeugungsversuche lesen will, schaut am besten mal auf meine Übersicht zum Reisen mit Kindern.

1 Kommentare

  1. Elisabeth sagt

    Es ist doch erstaunlich, wie interessante, Kind gerechte und fantastisch illustrierte (Bilder-) Bücher immer wieder unsere Kinder gedanklich fesseln und begeistern können. So kann auch die längste Bahnreise angenehm verkürzt werden. Zugegeben, wenn es Geschichten schaffen, dass beim Lesen oder Vorlesen ein sogenanntes Kopfkino abläuft, dann ist es nicht nur für Kinder spannend, über bekannte Dinge zu hören oder in fremde Welten einzutauchen, sondern auch wir vorlesenden Erwachsenen merken sehr schnell, welche Erzählweisen unseren Jüngsten lange im Gedächtnis bleiben.
    Sehr initiativreich sind unter anderem viele Aktionen der Stiftung Lesen, die auch durch namhafte Unternehmen wie z.B. die Deutsche Post oder die Deutsche Bahn unterstützt werden.

    https://www.stiftunglesen.de/initiativen-und-aktionen/welttag-des-buches/lesefreunde
    http://www.deutschepost.de/de/n/nachhaltigkeit/bildung.html
    http://www.vorlesetag.de

    Und was ist der Springende Punkt dabei? Elisabeth sagt: „Lesen fördert nicht nur die Spracherfassung, sondern hat ebenso auf die artikulierte und ausdrucksvolle Wiedergabe, also unser Sprechen und Schreiben eine hervorragende und nachhaltige Wirkung.“

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