Haarspendeaktion #MamasZopf
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Ich bin ja einfach nur gelaufen…

Sophie sitzend auf einem Stuhl mit Tafel und Text: "Ich bin ja einfach nur gelaufen... #Community und Herz-Symbol"

…das wirklich Großartige hat die Community vollbracht!

Ich möchte eintausend Mal DANKE schreiben. Einfach nur hintereinander weg das Wort DANKE, denn jeder Versuch, meine Erlebnisse, Gedanken und Gefühle während meiner Spendenwanderung von Berlin nach Wien in Worte zu fassen, ist ohnehin zum Scheitern verurteilt.

Wenn man etwas, das so groß ist und jetzt noch so unglaublich klingt, versucht, in den winzigen Kanal der geschriebenen Sprache zu quetschen, bleibt unweigerlich sehr viel auf der Strecke.

Es ist ein bisschen wie mit Satori (悟り, wörtlich: „Verstehen“), dem Begriff für das Erlebnis der Erleuchtung aus dem Zen-Buddhismus. Selbst wenn man die Gelegenheit hat, einen Zen-Meister mit jeder Menge Satori-Erfahrung nach der Definition von Satori zu befragen, kann es gut möglich sein, dass er nicht in der Lage ist zu erklären, was genau Satori ist und wie man es erlangt.

Auf die Frage, wie meine Wanderung war, gibt es keine einfache Antwort.

Fast möchte ich schreiben: „Geht einfach selbst mal wandern. Ganz alleine, für mindestens drei Tage am Stück und am besten dabei ein kleines Stück über eure Grenzen hinaus!“

Aber dann hätte ich nicht zum Ausdruck gebracht, was mir wirklich am Herzen liegt. Es ist die Dankbarkeit an die Community.

Den ganzen Weg über – an jedem einzelnen der 30 Wandertage, auf jedem der insgesamt 751 Kilometer – hatte ich nicht einen Moment lang das Gefühl alleine zu sein.

So viele Menschen haben mich begleitet, mich durch Regen und Hitze, über fast unpassierbare Wege getragen und mich beflügelt. Ich habe sie auf meinen Social-Media-Kanälen als die beste Wandergruppe der Welt bezeichnet.

Die Community war es, die diese unglaubliche Spendensumme von über 16.000 Euro zusammengetragen hat. Ich bin ja einfach nur gelaufen.

Zugegeben war es wirklich kein Spaziergang, denn es war meine erste Mehrtageswanderung überhaupt. Ja, richtig. Ich war vorher noch nie mehr als einen Tag lang wandern.

Aber jetzt weiß ich, es ist möglich, einfach loszugehen. Nicht ganz folgenlos, das muss ich zugeben. Man sieht meinen Füßen noch an, wo die Blasen waren und den rechten Fuß werde ich noch eine Weile schonen. Aber rückblickend war das nur ein kleines Mimimi verglichen mit der langen Strecke.

Was mich besonders beeindruckte und an jedem einzelnen Abend voller Dankbarkeit einschlafen ließ, war die Vielfalt der Beiträge, die meine Wanderung unterstützt haben. Einen Beitrag zu leisten kann tatsächlich so viele verschiedene Formen annehmen. Manchmal sind wir uns der Möglichkeiten gar nicht bewusst.

Und dann gab es diesen Moment am Morgen von Tag 22.

An diesem Morgen war mir klar, dass das auf der Spendenseite von Betterplace gesetzte Ziel von 7.000 Euro noch während der nächsten Stunden geknackt werden würde.

Nun hätte ich das optionale Spendenziel auf der Aktionsseite jederzeit ändern können. Es auf 10.000 Euro hochzusetzen, hätte mich weniger als eine Minute gekostet.

Doch ich entschied mich, ab diesem Zeitpunkt einfach alles der Community zu überlassen. Die von mir gesetzte Marke war ja längst erreicht und ich wollte nicht diejenige sein, die allen sagt: „Toll, was ihr geleistet habt. Aber wenn das so leicht ging, dann setzen wir das neue Ziel einfach noch höher an.“

Solche Sätze und die Einstellung dahinter gibt es in Unternehmen schon genug. Die wollte ich hier auf meinem Weg nicht haben.

Und was dann – getragen durch diese unglaubliche Community – passierte, war einfach so großartig, dass fast kein Tag mehr verging, ohne dass ich emotional echt überwältigt war.

Mein Anteil daran war, einfach jeden Tag wieder loszulaufen. Tag für Tag. Und ich habe alle eingeladen, die Momente des Tages – die guten, die herausfordernden und die wirklich beschissenen – mitzuerleben.

Zugegeben waren es immer nur Ausschnitte, noch dazu mit einem Filter drüber. Aber ich wollte ja auch nicht zeigen, wie die Linse meines Smartphone-Modells diese Wanderung festhält, sondern wie ich sie durch meine Wahrnehmung, meinen persönlichen Filter erlebe.

Das folgende Bild hier veröffentliche ich zum ersten Mal. Die Linse ist leicht beschmiert und ich habe die Sonne genau im Gegenlicht. Es zeigt mich bei meiner letzten Etappe in dem Moment, als ich in der Lage war, überhaupt wieder ein Foto zu machen.

Vorher war ich einfach nur heulend, schniefend und lachend zugleich die Donauinsel in Richtung Wiener Zentrum entlang gewandert.

Ich hatte gesehen, dass um 15 Uhr die unglaubliche Spendensumme von 15.000 Euro geknackt wurde. Das war mehr als zehn Mal soviel Geld, wie bei meiner Haarspende vor fünf Jahren zusammenkam! Da gab es kein Halten mehr.

Das, was ich erlebt habe, gibt noch Stoff für einige Blogbeiträge. Auch wenn ich nicht weiß, ob es mir gelingen wird, die passenden Worte für das Erlebte zu finden, wird es mir eine Freude sein es zu versuchen.

Es gibt nämlich noch ein anderes wunderbares japanisches Wort: Kodawari (拘り, meistensこだわりgeschrieben). Dessen deutsche Übersetzung Engagement trifft die Bedeutung leider nicht annähernd. Deshalb möchte ich jeder Person, die sich zutraut, einem Podcast zu lauschen, in dem auf Englisch mit heftigem japanischen Akzent gesprochen wird, diese Folge über Kodawari mit Professor Ken Mogi ans Herz legen.

Es ist übrigens eine der Podcast-Folgen, die mich auf scheinbar endlos langen und monotonen Wegen gerettet hatten.

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