Reisen mit Kindern
Kommentare 8

Schwanger in den Winterurlaub: Weniger Regeln & mehr Spaß!

Schwanger in den Winterurlaub. Wieso denn nicht? Während der Schwangerschaft muss man nur einige wenige Regeln beachten.

Winterurlaub in der Schwangerschaft ist einfacher als vielfach behauptet wird. Wer schwanger in den Winterurlaub in die Berge will, braucht nur wenige Regeln zu beherzigen – und kann die Winterfreuden genießen.

Winterferien, Schwangerschaftsbauch, Reisepläne! Wisst ihr noch? Bei mir setzte im dritten Trimester meiner Schwangerschaft tatsächlich statt Nestbautrieb eher ein Gefühl von Nestflucht ein. Gerade waren Kind 1.0 und ich von einem verlängerten Wochenende in Paris wiedergekommen, doch schon standen die Winterferien vor der Tür. Wir machten einfach das, was viele Familien tun: Wir fuhren in den Winterurlaub nach Österreich. Moment mal, schwanger in den Winterurlaub? Ja, richtig, ich wollte im Winter die Berge obwohl, nein, gerade weil ich schwanger war.

Was habe ich nicht alles gefunden, als ich die Begriffe schwanger und Winterurlaub mal eben bei der bekannten Suchmaschine eingab. Da ist von jeder Menge Risiken die Rede, man findet jede Menge Regeln, an die man sich halte sollte, um ja nicht sich und sein Kind zu gefährden und es wird so gar in Foren leidenschaftlich diskutiert, ab wie vielen Metern Höhenlage eigentlich genau der gefürchtete Sauerstoffmangel bei der werdenden Mutter und dem ungeborenen Kind einsetzen würde. Das alles sollen gut gemeinte Tipps für Schwangere sein, aber sie zu lesen macht alles andere, nur keine Reiselust.

Schwanger in den Winterurlaub. Wieso denn nicht? Während der Schwangerschaft muss man nur einige wenige Regeln beachten.

Schwanger in den Winterurlaub, darf man das denn?

Soll man denn dann überhaupt noch in den Winterurlaub fahren? Man könnte doch auch wunderbar den Winterurlaub auf dem flachen Land, an einem romantischen See oder dem Meer verbringen. Kann man, keine Frage. Ich bin auch sehr dafür, sich bei der Urlaubsplanung – gerade mit Kindern und in der Schwangerschaft – wieder mehr auf schöne Reiseziele ganz in der Nähe zurück zu besinnen. Doch da ich nun aus erster Hand als Schwangere über den Winterurlaub in den Bergen berichten kann, will ich das auch tun. Es muss doch zwischen den ganzen Risikolisten auch mal einen positiven Bericht geben.

Schwanger ist doch nicht die ganze Familie

In einem recht alten Artikel der ZEIT heißt es zum Thema Schwanger in den Skiurlaub: „Der Familienurlaub braucht wegen des bevorstehenden Ereignisses also nicht unbedingt abgeblasen zu werden. Allerdings sollten sich alle Mitglieder klar sein, daß Sport und Reisen erheblich eingeschränkt werden müssen.“ Dem ersten Teilsatz sollte man meiner Meinung nach wesentlich mehr Aufmerksamkeit schenken als dem Rest, denn eines ist klar. Nur ein Familienmitglied ist schwanger, nicht die ganze Familie. Bevor man also schwanger in den Winterurlaub fährt, rate ich, sich kurz auszutauschen, welche Aktivitäten man zusammen machen möchte, und wann man ganz bewusst ein getrenntes Programm macht.

Und sind wir doch mal ehrlich, so eine Schwangerschaftsmassage im Wellnessbereich des Hotels fühlt sich doch nicht schlecht an, wenn währenddessen der Rest der Familie die Skipiste hinunter saust oder auf der Eisbahn ein paar Runden dreht. Ich würde auch immer wieder ein Hotel empfehlen, dass eine Kinderbetreuung anbietet und zwar nicht erst für Kinder ab 3 Jahren. Es heißt ja nicht, dass man die lieben Kleinen den ganzen Tag abschiebt. Wir waren im Family Hotel & Resort Alpenrose, das sowohl Babybetreuung, Kinderbetreuung als auch einen Teenager-Club anbietet. Es geht manchmal nur für das bisschen Quality-Time für (werdende) Mütter, von der man – wenn das Baby erst einmal da ist – sehr viel weniger haben wird.

Dürfen Schwangere Wintersport machen oder nicht?

Die ZEIT drückte es ziemlich rigoros aus: „Auch für die gesunde Schwangere kann eigentlich nur Schwimmen (im Hallenbad) und Wandern (auf geräumten Wegen) als geeignete „sportliche“ Betätigung empfohlen werden. Die gut gestreuten, trittsicheren Wege sollten auch nicht über eine Höhe von 1.800 Metern führen, da sonst die Gefahr einer Atem- und vielleicht sogar Sauerstoffnot für das Kind im Mutterleib besteht.“ Mit anderen Worten: Schwangere sollten die gestreuten Wege des Ortes erst gar nicht Richtung Wintersportgebiet verlassen oder am besten gar nicht erst aus dem Hotel raus. Ich habe wunderbare, nur leicht ansteigende Wanderwege beschritten, die Aussicht genossen, Sonne pur und frische Luft getankt. Das alles hätte ich nicht machen können, wenn ich nur auf geräumten und gestreuten Wegen gewandert wäre. Gutes, trittsicheres Schuhwerk versteht sich für den Winterurlaub – nicht nur während der Schwangerschaft – ja wohl ganz von selbst.

Auf rasante Talfahrten sollten Schwangere tatsächlich verzichten. Denn selbst Profis stürzen beim Alpin-Ski, Snowboarden oder Rodeln. Ein Unfall könnte im schlimmsten Fall zum Blasensprung oder zu einer vorzeitigen Ablösung der Plazenta führen. Selbst ein Knochenbruch ist in der Schwangerschaft schon problematisch, da Röntgenuntersuchungen, Narkosen oder Operationen das Ungeborene gefährden würden. Skilanglauf in geringer Höhe bei leichter Belastung ist für gesunde Schwangere aber erlaubt. Skilanglauf, so habe ich mich belesen aber am besten in der klassischen Variante. Der Skating-Stil stelle eine zu große Belastung für Bauch und Beckenboden dar. Zum Thema Wintersport sage ich sogar aus eigener Erfahrung, selbst Rodeln ist auch für Schwangere in Ordnung, wenn man es entspannt angehen lässt.

„Die maximale Herzfrequenz sollte bei 140/min. liegen“, heißt es in verschiedenen Ratgebern, jedoch kenne ich keine Schwangere, die sich erst einmal einen Pulsmesser umschnallt, bevor es in den Schnee geht. Ich drücke es mal viel einfacher aus: Als Schwangere solltest du tatsächlich auf dein Bauchgefühl hören. Selbst wenn man nicht gerade als Schwangere im Winterurlaub ist, ist Bewegung gut, bei der sich die werdende Mutter wohl fühlt. In der Stadt würde ich auch nicht mehr auf Inline Skates umher fahren, traue mir aber durchaus noch zu, leichte Strecken mit dem Fahrrad zurückzulegen.

Welche Höhe ist für Schwangere ungefährlich?

Mit den Höhenangaben für Schwangere ist es tatsächlich eine komische Sache. Klickt man sich hier durch die Ergebnisse der großen Suchmaschinen, ist man am Ende auch nicht schlauer. Einige Quellen halten sich nach wie vor strikt an die 1.800 Meter-Grenze, egal ob zu Fuß oder mit der Gondelbahn, anderswo liest man etwas von 2.000 Metern oder 2.200 Metern. So, wie ich keinen Pulsmesser dabei hatte, verhielt es sich auch mit einem Höhenmesser. Ich kann nur jeder Schwangeren den Tipp geben, einfach selbst auszuprobieren, welche Höhe ihr gut tut.

Schwanger auf hohe Berge: Wichtiger als eine exakte Höhengrenze ist das Bauchgefühl

Wir haben nach der Ankunft erst einmal das Skigebiet rund um den Grubigstein in Lermoos erkundet. Mit den Gondelbahnen ging es immer höher hinauf bis zur Bergstation, die gerade eben die 2.000 Meter-Grenze überschreitet. Sitzen, Stehen, Wandern und Rodelschlitten ziehen – alles kein Problem. Und da wir direkt vom Hotel aus die Zugspitze sehen konnten, stand bald fest, dass ich einfach mal probieren würde, wie sich knapp 3.000 Meter mit Babybauch anfühlen. Immerhin war unser Skipass auch für die Zugspitzbahn gültig. Schön blöd, wenn wir das nicht genutzt hätten. Wenn viele auf die Zugspitze und den Gletscher zum Skifahren und Snowboarden wollen, dann gibt es aus Platzgründen eigentlich nur Stehplätze in der Gondel. Wenn aber der Gondelführer nicht gleich den dicken Bauch unter der Winterjacke bemerkt, bittet man ihn einfach darum, eine der Sitzbänke herunter zu klappen, denn die Tiroler Zugspitzbahn überwindet in nur 10 Minuten über 1.700 Meter.

Schwanger in den Winterurlaub nach Tirol

Tipps für Schwangere in großen Höhen

In der Gondel und auf der Zugspitze bin ich mit den offiziellen Tipps, die für Kinder gegeben werden, ganz wunderbar zurecht gekommen.

  • Kleidung: Angemessene, nicht zu enge Kleidung und festes, sicheres Schuhwerk.
  • Höhenunterschied: Die Luft in der Höhe ist dünner und dadurch ist die körperliche Belastung höher. Viel trinken und zwischendurch auch etwas essen. Eine kleine Wasserflasche und eine Snackbox sind Gold wert.
  • Ohren und Kreislauf: Bei der Fahrt mit der Gondel werden viele Höhenmeter in kurzer Zeit überwunden. Gegen den Druck auf den Ohren (vor allem talwärts) hilft etwas zum Trinken, Lutschen oder Kauen. Sitzend ist die Belastung für den Kreislauf kaum spürbar.
  • Sonnenschutz: In der Höhe ist die Sonne sehr viel stärker als im Tal. Man ist dem Himmel ein großes Stück näher. An Sonnentagen und auch bei Hochnebel darf ein Sonnenschutz (mit hohem Lichtschutzfaktor) nicht fehlen.

Mein Fazit: Es spricht letztlich nur wenig dagegen, schwanger in den Winterurlaub, also in die Berge zu fahren, sehr viel aber dafür. Man sollte vor allem nicht Wirkung von Glückshormonen vergessen, die sich im Körper ausbreiten, wenn man den Blick über die verschneiten Gipfel der Alpen schweifen lässt, die Nase in die Sonne hält und sieht, wie sich alle im Schnee amüsieren.

 

Ein herzlicher Dank für die Unterstützung bei unserer Reise geht an Tirol Werbung, die Tiroler Zugspitz Arena und das Family Hotel & Resort Alpenrose

Suchbegriffe, unter denen dieser Artikel gefunden wurde:

8 Kommentare

  1. René sagt

    Ich oute mich mal hier als Quotenmann. Meine Freundin hat mich schon ganz kirre gemacht, weil sie sagt, man darf nicht über 2000m.
    Ich hab ihr direkt mal den Link geschickt. Danke!

  2. Silke sagt

    Hallo Sophie,

    ich bin im 5. Monat schwanger und bin hier gelandet, weil ich eben genau danach gegoogelt hab. Zum Glück hab ich zuerst auf deine Seite geklickt, denn meine Freundin hat mir komplett abgeraten. Mein Mann und ich wollen aber nochmal fahren. Mit Baby isses ja auch nicht gerade einfach.
    Danke fürs Mutmachen.
    Silke

    • Hallo Silke,

      ja, bitte fahrt noch einmal in den Winterurlaub. Die Zeit kommt nicht wieder. Dafür eine tolle Zeit MIT Kind, keine Frage! Lasst es langsam angehen. Ich bin ja auch nicht gleich am ersten Tag auf die Zugspitze rauf. Und die Skier kann man auch mal eine Saison lang stehen lassen.

      LG Sophie

  3. Hallo Sophie,

    vielen Dank für den schönen und entspannten Artikel! Für mich als Berge-Liebhaberin waren die skilosen Zeiten während meiner zwei Schwangerschaften auch ein wenig hart. Allerdings bin ich mit beiden Kindern im Bauch doch einige Male gefahren (da waren es allerdings wirklich noch Zellhaufen) … um dann schließlich auch zur Winterwander- und Wellness-Fraktion überzulaufen. Das Problem ist ja nicht mal man selbst, denn auch wenn man wirklich gut skifahren kann, sind da halt immer noch die anderen Leute auf der Piste und manche davon fahren nicht immer sehr kontrolliert :-)

    Ich war dann im letzten Frühjahr auch mal gepflegt auf über 3.000 Metern – und mein Sohn kam vor 2 Monaten kerngesund zur Welt. Wie bei vielem anderen auch sollte man auch in punkto Winterurlaub während der Schwangerschaft einfach in sich reinhorchen. Der Körper sendet schon die richtigen Signale. Denke ich.

    Übrigens noch eine Anmerkung zum Thema Langlaufen: Ich bin leider selten so oft so schlimm gestürzt wie bei meinen ersten Langlauf-Versuchen. Die Dinger sind echt glitschig, vor allem, wenn man „richtige“ Ski mit richtigen Kanten gewohnt ist. Deswegen würde ich das Schwangeren nicht wirklich empfehlen, wenn man’s noch nie gemacht hat. Zumal Baby-Bauch und Gleichgewicht manchmal auch nicht so ganz gut z’samm gehen.

    Viele Grüße aus München, wo leider der ganze schöne Schnee schon wieder weg ist.
    Petra bloggte neulich: Küchenschlacht, Kinder und eine Kanonenkugel. Unser abgefahrenes Familien-SilvesterMy Profile

    • Liebe Petra,

      danke für deine Erfahrungen. Ich bin auch erklärter Fan von Winterwandern und Wellness. Auch jetzt noch ganz ohne Bauch. Das mit dem „in sich hineinhorchen“, wie du es treffen schreibt, sollte man sich am besten gar nicht mehr abgewöhnen. Also Mutter sowieso nicht. ;-)

      LG Sophie

  4. Frederike Ohm sagt

    Hallo,
    ich war mir auch lange unsicher ob ich den geplanten Skiurlaub antreten sollte. Ich bin im 5. Monat und war 2 Wochen auf bis zu 2500m Höhe Skifahren. Vom Snowboarden würde ich abraten, da das Gebücke schnell am Bauch ziept. Wenn man ein erfahrener Skifahrer ist und sich auf 70% runterdrosselt ist das kein Problem, natürlich bleibt immer das Restrisiko, dass jemand Dich in einen Unfall verwickelt, darum lieber besonders umsichtig fahren, am besten dort wo wenig Anfänger unterwegs sind. Eins muss man sich aber klar machen, ich war immer eine von denen, die um 9 Uhr die erste und um 16Uhr die letzte Gondel genommen hat, das war nun deutlich vorbei. Ja man kann Ski fahren , aber nein man ist nicht annähernd so belastbar wir sonst, das darf man nicht vergessen. Ich war oft ein wenig frustriert, dass ich schon auf die Hütte ging um Pause zu machen und andere munter weiter fahren konnten. Aber dann wiederum dachte ich, hey, besser überhaupt gefahren zu sein :-)

    • Hallo Frederike,

      danke für deine Erfahrungen. Du hast absolut Recht, dass man selbst als erfahrene Skifahrerin immer auch mit den anderen Skifahrern rechnen muss. „Immer mit der Dummheit der anderen rechnen.“ sagte mein Opa immer!

      Liebe Grüße, Sophie!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Link zu deinem letzten Blogartikel: