Fundstücke, Kind & Kegel
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Bekinderung ist kein Tabu!

"Kinder raus..." © Cartoon-Caricature-Contors

Ähnlich wie in der Vorstellungsrunde einer Selbsthilfegruppe bekenne ich: „Ja, auch ich leide unter einer Bekinderung.“ Gelegentlich, nein wirklich ganz selten leide ich tatsächlich. Die meiste Zeit aber bereue ich ganz und gar nicht, zu dieser Randgruppe der Bekinderten unseres Landes zu gehören. Und ich stehe dazu. (Ihr wisst schon: Meine Kinder sind mein Hobby.) Ich stand schon dazu, als ich noch nicht einmal ahnte, dass sich jemand tatsächlich einen so dämlichen Begriff wie Bekinderung ausdenken würde. Gefunden habe ich diesen Neologismus auf Wortwarte.de, einem Webfundstück, dass mit seinen täglich frisch gelieferten Neuwort-Kandidaten gleich unter meinen Lesezeichen landete. Was eine Wortwarte eigentlich ist? Die Autoren beschreiben die Funktion ganz ähnlich einer Wetterwarte, zu deren Aufgaben es gehört, die Entwicklung des Wetters zu beobachten und darüber zu berichten. Zu den Aufgaben der Wortwarte gehört es also, die Entwicklung des deutschen Wortschatzes zu beobachten und darüber zu berichten.

Passend zum Thema Bekinderung: "Kinder raus..." © Cartoon-Caricature-Contors

Passend zum Thema Bekinderung: „Kinder raus…“ © Cartoon-Caricature-Contors

Aber zurück zur Bekinderung. Nicht von ganz ungefähr ist die Ähnlichkeit zu Behinderung, denn in Deutschland Kinder zu haben wird immer öfter als Problemfall, gelegentlich sogar wie eine unheilbare und vor allem teure Krankheit angesehen. „Menschen lernen, mit ihrer Bekinderung zu leben.“ hieß es auf Twitter. Oder noch kürzer als Blogeintrag unter dem Titel Bekinderung: „Nachwuchsstörung“.

Wen wundert es da noch, dass so viele Paare im besten zeugungsfähigen Alter es lieber ganz sein lassen? Mein Mann und ich waren verrückt genug, im Jahr 2007 ein Kind zu bekommen, im Jahr 2010 noch eines und jetzt 2014 noch eines drauf zu setzen. Drei Kinder. Und mit Recht könnte man uns nun fragen: „Drei Kinder? Ja seid ihr denn bekindert, euch das in diesen Zeiten zuzumuten?“ Ja, es birgt schon eine gewisse Gefahr, drei oder gar mehr Kinder zu haben. Wie in einem Kommentar auf Facebook treffend bemerkt wurde, sind wir jetzt ein Haushalt, in dem es mehr Kinder als Erwachsene geben wird. Basisdemokratische Entscheidungen müssen wir wohl künftig durch spitzfindigere Methoden ersetzen, wenn wir nicht dauernd überstimmt werden wollen.

Schulkind 1.0 kramte neulich in der U-Bahn in seinem Wortschatz und fragte mich dann: „Mama, wenn man drei Kinder hat oder noch mehr, dann nennt man das kindervoll, oder?“ Ich fand diese Wortschöpfung erst zum Schmunzeln, dann aber durchaus passend. Immerhin erklärt Wikipedia unter dem Eintrag Mehrkindfamilie, dass der Begriff kinderreich sowieso eher vermieden wird, weil „reich sein an Kindern“ mit dem (betriebswirtschaftlichen, also dem Familienhaushalt) „reich sein durch Kinder“ als Zynismus empfunden wird, obwohl die Annahme in volkswirtschaftlicher Sicht zutrifft.

Wir sind jetzt also als Familie zu fünft und damit voll bekindert!

Und wie lebt ihr mit eurer Bekinderung? Könnt ihr überhaupt schon öffentlich darüber reden? Oder nur anonym? Ich bin auf eure Meinung gespannt.

2 Kommentare

  1. Ja das ist mir auch schon oft aufgefallen; Familien mit vielen Kindern werden komisch angeschaut und für verrückt erklärt ;) Andersherum ist es aber auch nicht in der Norm, wenn ein Paar keine Kinder hat, wie man es macht ist es falsch… Wir haben ja unser eines Durchschnittskind, aber ich habe oft das Gefühl, daß es allgemein zu früh ist (wir sind Anfang bzw Mitte 30, eigentlich das beste Alter) denn alle in unserem Alter haben noch keine.

    Liebe Grüße, Janina

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