Friedrichshain, Kind & Kegel
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Seltsame Verwandlung bei Regen

Es ist unstrittig, dass das Berliner Wetter der letzten Woche nicht das war, was man im Allgemeinen von einem Sommer erwartet. Ach, das ist eigentlich noch viel zu diplomatisch ausgedrückt. Dieser Dauerregen war echt nervig! Uns fiel am Wochenende hier echt die Decke auf den Kopf, so dass wir beschlossen, wenigstens so lange das Haus zu verlassen, bis der erste von uns durchnässt aufgeben würde. Ich muss sagen, dass wir am Ende doch viel Spaß hatten. Erst ging es zum Spielplatz, der sich dank komplett überflutetem Sandkasten als wahres Eldorado für Matschfans entpuppte. Wir bauten Kanäle, tiefe Krater, mächtige Staudämme und stellten uns nur bei ganz heftigem Regen kurz irgendwo unter. Frische Waffeln vom Café gegenüber waren unsere Baustellenverpflegung und wirkten extrem stimmungsaufhellend.

Wir waren nicht die einzige Familie, die es nicht mehr zu Hause aushielt. Der Spielplatz füllte sich immer mehr. Irgendwann schmunzelte mein Mann zu mir herüber und meinte: „Irgendwie seid ihr Mütter doch alle gleich…“ Erst wusste ich nicht, worauf er hinaus wollte, doch dann sah ich es: Das Regenwetter führte vor allem bei uns Müttern zu einer seltsamen Verwandlung. Fast alle weiblichen Füße steckten in Gummistiefeln, die Beine in robusten Jeans und der Oberkörper wurde mit einer wasserdichten Funktionsjacke verhüllt – mit Kapuze versteht sich. Von hinten fast unmöglich diese durch die Pfützen watenden Geschöpfe als Frauen zu erkennen. So eingepackt, entfachte in den wasserresistenten Müttern auf dem Spielplatz schnell der kindliche Spieleifer. Es wurde gerannt, geklettert und gehüpft oder (wenn schon stehend) wie wild im Matsch gebuddelt.

Und ich mittendrin. Im Einheitslook mit schwarzer Outdoor-Jacke und meinen geliebten Hello-Kitty-Gummistiefeln, mit denen ich mich öffentlich zu meiner sonst eher stillen Liebe zu Hello Kitty bekenne. Im Buddelfieber, mit der großen Metallschaufel meines Sohnemanns bewaffnet, während ich ihm nur die aus Plastik überlasse. Irgendwann blicke ich zur Uhr und stelle fest, dass die Zeit viel zu schnell vergangen ist und wir nach Hause gehen müssen.

Wir gehen noch einen Umweg, weil dort so herrlich viele Pfützen sind und pflücken uns noch ein paar Blumen hier und da. Morgen sollen es ja hier schon wieder unerträglich heiße 26° C im Schatten werden. Dann werde ich vor der sengenden Sonne flüchten und wehmütig an das verregnete letzte Wochenende zurück denken. Und das das Gefühl, mal wieder das Kind in mir raus zu lassen, wenn ich Gummistiefel und Regenjacke trage.



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