Mutter sein
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Die Krönung unserer Beziehung

Urlaub mit Kindern: Kind 1.0 und 2.0 am Ostseestrand

Grübelt man in der Schwangerschaft mehr als sonst? Wahrscheinlich ja, sonst könnte ich es mir nicht erklären, dass ich jetzt, da Kind 3.0 unterwegs ist, ganz oft an die Zeit vor dem Muttersein denke. „Kind, lass dir Zeit“, hörte ich meine Mutter jedes Mal sagen, wenn sich unsere Unterhaltungen um das Thema Familiengründung drehten. „In fünf Jahren ist auch noch Zeit dafür!“, klang es einige Jahre lang in meinen Ohren, bis ich schließlich 25 war und mir überlegte, dass es tatsächlich ein schöner Gedanke war, mit 30 Mutter zu werden. Zugegeben gab es eine Zeit, in der ich Leute mit 30 furchtbar spießig fand. Ich befürchtete, dass ich mit 30 bestimmt verheiratet sein würde, Mutter von ein oder zwei Kindern wäre und einen Beruf hätte, dem ich vermutlich bis zur Rente nachgehen würde. Kurzum: Ich dachte, wenn erst einmal die magische 30 erreicht sei, wäre es mit dem Spaß im Leben vorbei. Heute muss ich darüber schmunzeln.

Tatsächlich habe ich aber viel darüber nachgedacht, ob es ihn denn gibt, den perfekten Zeitpunkt um Kinder zu bekommen. Und wenn ja, woran macht man fest, dass er da ist? „Ich will meinem Kind mal was bieten können.“, hörte ich von denjenigen, die überzeugt waren, dass man sich erst einmal um seine Karriere und ein gesichertes Einkommen kümmern sollte, bevor man Kinder in die Welt setzt. „Ich will doch nicht auf dem Schulhof für die Oma meines eigenen Kindes gehalten werden!“, witzelten diejenigen Mütter, die sicher waren, dass junge Eltern die besseren Eltern seien.“ Und natürlich war auch von der biologischen Uhr die Rede, die ich als Frau schon irgendwann laut genug in mir ticken hören würde. Mit je mehr Leuten ich sprach, desto mehr Meinungen gab es, wann ein Kind denn am besten „passt“.

Am Ende aber mussten mein Freund (heute mein Mann) und ich diese Entscheidung für uns ganz allein fällen und das war auch gut so. Wir überlegten, was sich privat und beruflich für uns mit einem Kind verändern würde. Und ja, ich hatte bereits in Elternzeitschriften geschmökert, die beim Friseur oder im Wartezimmer meiner Hausärztin auslagen, da war noch nicht einmal der Entschluss gefasst Mutter zu werden. Natürlich wollte auch ich eine gute Mutter sein. Doch genau das war das Dilemma. Zu der Erkenntnis, dass es unzählige Meinungen darüber gibt, wann man ein Kind bekommen sollte, kam die Erkenntnis, dass noch mehr kluge Aussagen darüber existieren, was eine gute Mutter ausmacht.

Einmal saß mir in der S-Bahn auf dem Heimweg von der Arbeit ein Pärchen gegenüber. Unter ihrem Pullover wölbte sich ein kleines Bäuchlein und so wie er ihr mit seiner Hand über den Bauch strich, war klar, dass die beiden bald Eltern werden würden. Mitten aus ihrem verliebten Gemurmel hörte ich die Worte „unser Kind“ und „Krönung unserer Beziehung“. Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass ich sehr gerne Mutter werden möchte. Aber ich wollte nicht die Krönung meiner Beziehung in meinem Bauch heranwachsen lassen. Ich wollte auch kein Statussymbol, dem ich Dank steiler Karriere „etwas bieten“ kann.  Ich wollte einfach nur ein Kind und der Gedanke daran war schön. War das jetzt die biologische Uhr, die in mir tickte? Oder lag es nicht doch daran, dass mein Freund und ich zu diesem Zeitpunkt tatsächlich nach drei Jahren mit wechselnden beruflichen Einsatzorten beide wieder in Berlin angekommen waren?  Zudem hatte unsere gemeinsame Wohnung auch ein kleines Zimmer, das wir leicht zu einem Kinderzimmer umfunktionieren konnten. Es gab uns Sicherheit, dass die groben Rahmenbedingungen stimmten und dann haben wir uns ins Abenteuer Elternschaft gestürzt.

Warum wir uns auch ein Leben mit drei Kindern gut vorstellen können? Und warum ich mir das noch mal antue, wie es einige nennen? Es passt irgendwie und es fühlt sich richtig an, sind vielleicht nicht die schönsten Formulierungen, aber die Worte Krönung unserer Beziehung sind mir aber bis heute nur über die Lippen gekommen, wenn ich über die kleine Anekdote in der S-Bahn berichte…

 

6 Kommentare

  1. Leider fühlte ich mich viel früher „reif für ein Kind“ als mein Mann damals. Er sah das alles auch eher von dem „die-Umstände-müssen-besser-passen-Standpunkt“, obwohl meiner Meinung nach (fast) alles passte. Ich musste also ca. zwei Jahre warten, bis auch er so weit war und dann nochmal fast ein Jahr, bis es endlich geklappt hat. Ich denke auch, DEN richtigen Zeitpunkt gibt es nie, man muss nach seinen Gefühlen gehen.
    Freut mich für Dich, dass bei Euch Kind 3.0 unterwegs ist. Das könnte ich mir auch gut vorstellen nach zwei Jungs. Aber mein Mann… ;-)
    Wünsche Dir eine schöne Schwangerschaft.

    Liebe Grüße
    Katja

  2. Hallo du!

    Wow! Herzlichen Glückwunsch. Wahnsinn! Von außen betrachtet, finde ich 3 Kinder eine unglaublich schöne Zahl. Von innen muss ich mich erst noch ran tasten, an ein eventuell zweites Kind.

    Es ist mir ein Rätsel, wie andere das schaffen. Aber die Rahmenbedingungen sind auch bei jedem anders ;)

    Ganz liebe Grüße

    UND

    Einladung zum Gewinnspiel bei mir auf meinem blog. Es gibt schöne Dinge von tausendkind zu gewinnen.

  3. Elisabeth sagt

    Meine liebe Sophie,
    ist es nicht wie ein erstaunliches Wunderwerk, dieses kleine Menschenkind in Dir? Immer wieder bricht selbst bei der Nachricht oder beim Betrachten der Ultraschallbilder Freude und Faszination aus. Beim Fühlen des schwangeren Kullerbauches und Spüren jeder Drehung und jedes noch so heftigen Fußtrittes empfinden wir mit. Wir spüren Glück und Zuversicht. Hier lassen wir noch in großem Maße der Mutter Natur ihren freien Lauf. Eine Relation stelle ich aber fest. Je weniger Kinder geboren werden, umso zahlreicher sind die Angebote für zusätzliche Voruntersuchungen. Für das Ungeborene, für die werdende Mami oder die Eltern manchmal zu viel des Guten?

    Eine bekannte Redewendung passt deshalb umso mehr:
    „Euer Kind macht die Liebe stärker,
    die Geduld größer,
    die Hände ruhiger
    die Nächte länger,
    die Tage kürzer,
    und die Zukunft heller.“

    Der springende Punkt dabei:
    Eure Kinder machen Dich, Euch und uns glücklicher!

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