Reisen mit Kindern
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Wieso eigentlich Roadtrip und nicht Autoreise?

Früher haben wir einfach Koffer gepackt. Heute sind wir Backpacker oder Flashpacker. Und wenn wir nichts von beidem sind, fühlen wir uns leicht altbacken in Sachen Urlaub. Auch die Autoreise ist längst keine einfache Urlaubsreise mit dem Auto mehr. Sie ist jetzt ein Roadtrip. Auch wir planen für den Sommer unseren großen Roadtrip durch Belgien. Schreiben jetzt alle auf ihren Reiseblogs über Roadtrips, weil sich eine Autoreise für die Bloggerwelt einfach nicht hip genug anhört? Klickt man sich einmal durchs Netz, findet man zuerst heraus, dass es eigentlich nicht Roadtrip (zusammen geschrieben), sondern eher Road Trip (auseinander geschrieben) heißen müsste. Nun ja, wir Deutschen deutschen gern Begriffe ein, nicht wahr? Doch die Erklärung für den englischsprachigen Begriff „road trip“ ist dann auch fast schon ernüchternd einfach und klingt sehr nach der altbackenen Autoreise. „A road trip is a journey taken on roads.“, erklärt Wikipedia.

Und doch glaube ich, dass zu einem richtigen Road Trip mehr gehört, als nur einen eingedeutschten Begriff für die Anreise mit dem Auto zu verwenden. Es geht nicht nur darum, die Strecke zwischen Heimatort und Unterkunft am Urlaubsziel mit dem PKW zurückzulegen. Heike von Köln Format schreibt in ihrem Blog sehr treffend: „Früher wollte ich im Urlaub einfach irgendwie ankommen, jetzt ist der Weg das Ziel. Daher ist eine Autofahrt in den Urlaub keine Autofahrt in den Urlaub mehr, sondern ein Roadtrip!“.

Damit die Autofahrt bereits ein Teil der schönen Urlaubserlebnisse wird und nicht nur lästige Wegstrecke bleibt, muss man sich die Route in mundgerechte Häppchen teilen. Gerade wenn man Kinder dabei hat, sind die gewählten Streckenabschnitte ein entscheidendes Kriterium, damit aus dem Roadtrip kein Horrortrip wird. Da heißt es vor allem, die richtige Mischung aus „gut vorankommen“ und „schöner Strecke“ zu finden. Gibt es entlang der Strecke lobenswerte Sehenswürdigkeiten? Lohnt sich ein kleiner Umweg, weil dort tolle Attraktionen für Familien zu finden sind? Oder sollte man sogar eine Zwischenübernachtung in Betracht ziehen, damit man am nächsten Tag nach dem Frühstück ausgeruht weiterfahren kann? Alles Fragen, die es vorab zu klären gilt.

Ein Roadtrip mit der Familie durch Belgien: Einfach einen Abstecher machen. Hier eine Familie in Veurne (Flandern, Belgien). Foto: Tourismus Flandern-Brüssel via flickr @visitflanders

Foto: Tourismus Flandern-Brüssel via flickr @visitflanders

Wir sind mit Kind Nummer drei natürlich längst über das hinaus gewachsen, was als Durchschnittsfamilie gilt. Und wir haben festgestellt, dass unser Auto, ein Audi A4 Avant sehr an die Grenzen seiner Kapazität gerät, wenn wir mit zwei Erwachsenen, zwei Kindern mit Kindersitz und einem Baby mit Babyschale unterwegs sind. Kind 1.0 darf vorn beim Papa sitzen. Kind 2.0 nimmt den Platz hinter ihm ein. Die Babyschale kommt in die Mitte der Rückbank und ich sitze mehr schlecht als recht daneben. Wahrscheinlich klappt das auch nur, weil ich mit knapp 1,60m Körpergröße und recht kleiner Konfektionsgröße weniger Platz brauche als ein Kindersitz der Gruppe II. Da ich ein zuverlässiges und ausreichend großes Auto ebenso für ein wichtiges Kriterium eines Roadtrips halte, steht fest, dass wir für Belgien ein anderes Auto brauchen.

Für eine erste Planung – auch was die Kosten betrifft – habe ich mir die Mietwagen der Autovermietung in Berlin angeschaut. AVIS hat eine Station am Berliner Ostbahnhof, also gleich in der Nähe. Wir wollen ja keinen Roadtrip machen müssen, nur um an das Auto für den Roadtrip zu kommen. Die Kategorie Großraumlimousine sah auf den ersten Blick passend aus. Limousine allein klingt schon nach einem großen Auto und mit einem Großraum vor der Limousine müsste das doch erst recht passen. Dass dieser Begriff – wie auch der Begriff Familienauto – irreführend sein kann, wenn mehr als zwei Erwachsene und zwei Kinder reisen wollen, zeigt auch ein Test von Autobild. Die Fotos des Redakteurs, der sich in vermeintlich großen Autos zwischen die Kindersitze presst, sprechen Bände. Über den Q5 von Audi, der von außen wirklich groß wirkt, schreibt er ernüchtert: „Was hilft die Fahrzeuglänge, wenn die Innenbreite kneift? Auch Q5-Fahrer dürfen nur zwei Kinder haben.“

Einfach mal durch die schönsten Dörfer von Wallonien statt auf der Autobahn fahren. Foto: Belgien-Tourismus via Facebook, (c) R. Tiburzy

Foto: Belgien-Tourismus via Facebook, (c) R. Tiburzy

Also habe ich die Großraumlimousinen links liegen lassen und bin dann schon bei den Minibussen gelandet. Jetzt weiß ich, was die lieben Bekannten meinten als sie sagten: „Was? Drittes Kind? Dann könnt ihr euch ja gleich einen Bus kaufen!“ Jetzt heißt es natürlich, das richtige Auto zu finden und die Angebote zu vergleichen. Der Mietwagen allein soll natürlich nicht schon die ganze Urlaubskasse auffressen.

Wart ihr schon mal mit mehr als drei Kindern im Auto unterwegs? Sollte man sich ruhig ein bisschen reinquetschen, weil’s Geld spart? Oder wart auch direkt mit einem Kleinbus auf Reisen? Wie war das Platzangebot für die Reisenden und natürlich das ganze Gepäck? Ich freue mich über eure Erfahrungsberichte.

Dieser Beitrag ist Teil meines Familienreiseblogs. Für meine Reisen arbeite ich auch mit touristischen Partnern zusammen. Hier erfährst du mehr über mich als Reisebloggerin und meine Reiseartikel.  

8 Kommentare

  1. Ich bin als Kind in einem fünf Personen Haushalt groß geworden. Wir sind immer mit dem Auto in den Urlaub gefahren. Doch was für mich ein Auto war, war für andere ein Bus. Als ich kleiner war hatten meinen Eltern einen VW Bus, später dann immer einen Ford Transit mit neun sitzen. Auf Fahrten über 26 Stunden nach Italien in den Urlaub war das Gold wart. Man hatte einfach genug Platz für alles Gepäck und was man sonst noch brauchte, damit uns Kindern nicht zu langweilig wird. Und wir konnten uns außerdem dank zweier Rückbänke auch etwas ausbreiten und mussten uns nicht auf der Pelle hocken. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie diese Fahrten geworden wären hätten wir bloß ein normales Auto gehabt. Hätte ich drei Kinder und wäre es finanziell machbar, dann würde ich wohl eher zu einem Bus tendieren.
    Ich hoffe dir helfen meine Erfahrungen ein bisschen weiter und ihr findet das passende Gefährt für euren Urlaub :o)

    Liebe Grüße, Carmen

    • Das ist auch jeden Fall mehr Komfort auf so einer langen Strecke. Mit zwei Rückbänken hat das ja fast schon etwas von einem Zugabteil. ;-)

  2. Quatsch – wir haben dieselbe Konstellation wie ihr (allerdings bin ich 1,63 m groß, ätsch) und passen hervorragend in unseren Ford S-Max. Und die Kids sitzen natürlich alle hinten.
    Ob das Gepäck für einen Campingurlaub so bequem reinpasst wie letztes Jahr mit zwei Kindern, berichte ich dann im Sommer…

    LG
    Jenny

  3. Carolin sagt

    Wir haben auch drei Kinder, davon ist das Größte allerdings inzwischen so „groß“ wie ich (1,62 m) und wir haben einen Touran – Urlaubsreisen haben bisher wunderbar geklappt. Es schadet auch nichts, wenn das Teenie-Mädchen etwas eingeschränkt wird in den Gepäckmengen, denn wenn man sie lassen würde, wäre auch ein Bus an seinen Grenzen….
    Liebe Grüße, Carolin

    • Das ist ein ganz interessanter Aspekt. Begrenzter Raum heißt auch, sich im Gepäck zu begrenzen, was durchaus gut ist. Man schleppt immer viel zu viel Krempel mit in den Urlaub.

  4. Meine Eltern sind früher mit zwei Kindern im Bulli in den Urlaub gefahren, das war natürlich vom Platz her Luxus. Wir haben auch nur zwei Kinder und haben bisher wunderbar in einen Audi A2 gepasst (mit Dachbox). Inzwischen haben wir einen Touran, weil wir mit drei Kindern auf dem Rücksitz zur Schule fahren, was auch mit den Kindersitzen hinten prima klappt (allerdings brauchen wir in der Mitte nur noch so eine Sitzerhöhung, aber die beiden anderen haben noch hohe Lehnen). Der Touran hat vom Platz hinten im Kofferraum in seiner Klasse das meiste zu bieten, wie wir damals in langen Vergleichen erforscht haben.

    Viel Glück beim Stapeln jedenfalls! :)

    Viele Grüße,
    Lena

  5. Hallo Sophie,

    Oh je, ja so ein Urlaub muss schon gut geplant sein und was man heute auch alles mitschleppt ist echt der Wahnsinn. Was natürlich die Umgangssprache angeht muss ich eigentlich an früher denken. Eigentlich sollte es umgedreht lauten. Heute: Urlaubsreise Früher: Roadtrip. Ich bin ein altes DDR Kind und wenn ich mich an damals erinnere waren 600 km mit dem Trabant schon viel eher ein Roadtrip.

    Lg Manuel

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