Dies und das, Friedrichshain
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Die tanzende Frau vom Frankfurter Tor

Verschenkte Bücher von Natalia Roschina, der tanzenden Frau vom Frankfurter Tor

Eigentlich wollte ich heute über etwas ganz anderes schreiben, doch jetzt, da ich Natalia Roschina (oder wie es auf ihrer Visitenkarte heißt: Queen of the Universe) begegnet bin, kann ich nicht anders und tippe völlig unvorbereitet diese Zeilen, während auf der Leinwand meines Kopfkinos immer wieder das Schlagwort  durchgeknallt aufflackert. Dabei ist so ein vorschnelles Urteil nicht fair. Ich hatte vom Balkon aus beobachtet, dass immer wieder Passanten an einer großen Ansammlung von Büchern stehen blieben. Direkt am Frankfurter Tor hatte jemand Bücher in durchsichtige Plastiktüten gepackt und sie auf eine Mauer vor dem ehemaligen Bauamt gelegt. Später sah ich eine blonde Frau mit zwei Koffern beim Bücherstapel. Ich sah nicht, ob sie Bücher ein- oder auspackte, also nahm ich meinen Schlüssel und ging einfach mal nachsehen.

Natalia war es also, die all diese Bücher dort abgelegt hatte, damit andere sie lesen können. Sie will sie den Menschen vom Frankfurter Tor schenken, weil hier viele Menschen leben, die zu wenig Bücher lesen. Zu viel Müll. Zu viele dumme Menschen. Doch heute wäre sie fertig mit den Büchern, erzählte sie mir. Heute würde sie keine mehr dazu stellen. Ich fragte sie, ob sie die Bibliothek gleich um die Ecke kennen würde und ob es nicht eine gute Idee wäre, die Bücher dort abzugeben. Sie verneinte. Sie würde ihre Bücher niemals in einen Laden bringen und niemals in eine Bibliothek. In Bibliotheken gehen immer nur Menschen, die eben in Bibliotheken gehen. Sie wolle ihre Bücher dem Frankfurter Tor schenken.

Ich erzählte ihr, dass ich sie vom Balkon aus gesehen hatte und deutete auf den Südturm. Sie erzählte mir, sie wohne am Brandenburger Tor und komme hierher zum Frankfurter Tor um zu tanzen und ihre Bücher zu verschenken. Tatsächlich hatte ich erst gestern spät am Abend beim Müll hinunter bringen hinterm Haus jemanden auf einer Bank balancieren und tanzen sehen. Ganz ohne Musik.

Natalia fragte mich, was ich beruflich mache. Vielleicht hätte sie ja Bücher für mich. Ich erzähle ihr, dass ich Pressereferentin bin und in meiner Freizeit blogge. Keine Sekunde später reichte sie mir Buzz Marketing with Blogs for Dummies und ich musste wohl ziemlich dumm aus der Wäsche geguckt haben, denn sie lachte. Jetzt liegt ihre Visitenkarte hier neben mir auf meinem Sofa und ich habe einen Blick auf ihren Twitter Account und ihren YouTube Kanal geworfen. Sie erzählte mir, dass sie an einem Buch über das Frankfurter Tor schreibt und einige Bücher auf Japanisch geschrieben hätte. Ich erzählte ihr, dass von meinen Japanischkenntnissen seit der Schulzeit nicht viel übrig geblieben sei, aber schaffte es immerhin, mich noch einmal inklusive aller Höflichkeitsfloskeln offiziell auf Japanisch vorzustellen. Sie bedankte sich auf Japanisch.

Dann verabschiedete sie sich und zog mit ihren zwei leeren Koffern davon. Ich blieb und stöberte ein wenig durch die Bücherstapel. Jetzt habe ich unter anderem The Old Man and the Sea von Hemingway, ein paar englischsprachige Kinderbücher, die ich morgen im Kindergarten abgeben werde und das Buch 1001 Ways to Market Yourself and Your Small Business, in dem Natalia exakt 20 Tipps mit bunten kleinen bunten Post-it Haftstreifen markiert hat.

Ach ja, sie ist außerdem Bienenforscherin.

 

Verschenkte Bücher von Natalia Roschina, der tanzenden Frau vom Frankfurter Tor

 

 

3 Kommentare

  1. Und dass sie offenbar an einer schweren Persönlichkeitsstörung leidet, mit der sie inzwischen sich selbst gefährdet (wurde mehrfach angegriffen wegen ihres Verhaltens, siehe ihre Videos), ist dir nicht aufgefallen?
    Mich würde interessieren, was aus ihr geworden ist. Seit Monaten gab es keine Videos mehr, und ihr Verhalten wurde zuletzt zunehmend erratischer. Es ist zu befürchten, dass das kein gutes Ende nimmt.

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